Krankenkassen

Gewinner - knapp vor dem Kollaps

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Kliniken und Praxen müssen regionale Versorgungsverbünde bilden: Staatssekretär Dr. Hellmut Körner. Fotos (3): di

Landes-TK-Chef hält Kliniken für die Gewinner im Gesundheitswesen - nicht nur Ärzte sind darüber verwundert

BAD SEGEBERG (di). Stehen Kliniken vor dem Kollaps oder zählen sie zu den Gewinnern im Gesundheitswesen? Für die Mitglieder des Marburger Bundes in Schleswig-Holstein war die Antwort klar.

Die GKV-Ausgaben für die stationäre Versorgung sind bundesweit von 40 Milliarden Euro im Jahr 1995 auf 50 Milliarden Euro in 2006 gestiegen. Zugleich kletterte die Arztzahl in den Krankenhäusern von 101 590 auf 123 715. Und mehr als die Hälfte der Kliniken schafft es auch unter den derzeitigen Rahmenbedingungen, Rendite zu erwirtschaften.

Für Schleswig-Holsteins Chef der Techniker Krankenkasse, Dr. Johann Brunkhorst, lassen solche Zahlen den Schluss zu, dass Kliniken in den vergangenen Jahren zu den Gewinnern im Gesundheitswesen zählten.

Verwies auf steigende Arztzahlen und höhere GKV-Ausgaben für Krankenhäuser: Dr. Johann Brunkhorst von der TK.

Mit dieser Interpretation stieß Brunkhorst beim Marburger Bund jedoch auf Gegenwehr. Besonders die gestiegene Arztzahl rückten sie ins rechte Licht: Mehr Teilzeitstellen, höhere Erwartungshaltung der Patienten, mehr Ärzte in patientenfernen Abteilungen - nur am Bett sind es nach Beobachtung der Ärzte immer noch so wenig Kollegen wie schon vor Jahrzehnten. Damit bestätigten sie ihre Landesvorsitzende Dr. Hannelore Machnik, die feststellte: "Die gestiegene Arztzahl ist kein Luxus, es wird noch immer am Arbeitszeitgesetz vorbei gearbeitet."

Auch Harald Stender, Chef des Westküstenklinikums Heide, fühlt sich nicht als Gewinner, obwohl sein Haus bislang tatsächlich noch Gewinne erzielen konnte. Stender rechnete vor, warum das in Zukunft wohl nicht mehr gelingen wird: Denn Tarifanpassungen und Preissteigerungen bei den Sachkosten erfordern bei einem durchschnittlichen 700 Betten-Haus bis Ende kommenden Jahres einen finanziellen Mehrbedarf von 6,3 Millionen Euro. Dem stehen Ersparnisse und Steigerungen der Grundlohnsumme von rund 1,3 Millionen Euro gegenüber.

Um die Deckungslücke von fünf Millionen Euro aufzufangen, rechnete Stender vor, müsste das Haus eine Umsatzrendite von mehr als sechs Prozent erzielen - was er für ein Schwerpunktkrankenhaus für unmöglich hält.

Mehrkosten für Kliniken lassen sich nicht mehr ausgleichen, sagt Klinikmanager Harald Stender.

Ein Patentrezept für die Probleme hatte auch Schleswig-Holsteins Gesundheits-Staatssekretär Dr. Hellmut Körner nicht parat. Er kündigte an, dass sein Land nach "verbündeten" anderen Bundesländern sucht, um eine Angleichung des Basisfallwertes zu erreichen. Dieser ist in Schleswig-Holstein besonders niedrig und sorgt damit für geringere Erlöse der Kliniken. Zugleich plädierte Körner für eine noch intensivere Zusammenarbeit der Kliniken untereinander, auch mit Praxen in regionalen Versorgungsmodellen.

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