Gastbeitrag

Gröhes Symbolpolitik kostet Patienten die freie Arztwahl

Die Diskussion um die Wartezeiten ist für den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner ein Vorbote zum Ende der freien Arztwahl, wie er in einem Gastbeitrag schreibt. Die möglichen Terminservicestellen könnten Ärzte zuteilen - ohne dass der Patient eine Wahl hätte.

Von Christian Lindner Veröffentlicht:
Die freie Wahl des Arztes ist ein Grundprinzip des deutschen Gesundheitswesen - der FDP-Vorsitzende sieht es in Gefahr.

Die freie Wahl des Arztes ist ein Grundprinzip des deutschen Gesundheitswesen - der FDP-Vorsitzende sieht es in Gefahr.

© Alexander Raths / fotolia.com

Manchmal klingen die Vorschläge der Regierungskoalition ja durchaus logisch und patientenfreundlich - allerdings stellen sie sich gerade in der Gesundheitspolitik als Sirenengesänge heraus. So auch bei der immer heftiger in den öffentlichen Fokus geratenen Wartezeitendiskussion.

Es klingt sehr gut und patientenfreundlich, dass die Versicherten nicht länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin warten sollen - das ist ein durchaus begrüßenswertes Ziel. Allerdings sollte man hier zu dem Projekt der großen Koalition die entscheidenden Fragen zum Hintergrund stellen.

Christian Lindner

Der Autor ist der amtierende FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Der Beitrag stellt seine persönliche Meinung dar.

Zum einen zeigt eine Befragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bei über 6000 Patienten, dass das Thema Wartezeiten für einen Großteil der Patienten kein wirkliches ist. Es wurde im Rahmen der ideologisch geprägten Diskussion um die Bürgerversicherung von interessierten Kreisen aufgebauscht.

Sehr viele der Befragten hielten die Wartezeit für vertretbar. Zum anderen bezweifeln die meisten Patienten auch, dass die vom Bundesgesundheitsminister beabsichtigte Zwangsbewirtschaftung von fachärztlichen Terminen ein adäquates Mittel zur Bekämpfung der Terminmisere ist.

Die Ruderer sind erschöpft

Was aber resultiert aus einem zentralisierten Terminmanagement, wie es von den Kassenärztlichen Vereinigungen organisiert werden soll, denn wirklich für die Patienten? Ist dieses Konstrukt wirklich sinnvoll, um die Patientenbetreuung effizienter zu gestalten? Oder ist das nur Augenwischerei und Symbolpolitik, die eigentlich nichts an dem eigentlichen Problem verändert?

Das wesentliche Problem ist, dass nicht mehr genügend Behandlungszeit bei Fachärzten zur Verfügung steht. Die Ursachen dürften mannigfaltig sein und vor allem in dem allseits wahrnehmbaren Ärztemangel bei Haus- und auch Fachärzten gipfeln.

Da ändert es auch nichts, wenn der Antreiber versucht, die Schlagzahl zu erhöhen, wenn die Reserven der Ruderer erschöpft sind. Das haben aber auch inzwischen viele Patienten erkannt, wie Leserkommentare zu diesem Thema in den einschlägigen Medien beweisen.

Aus liberaler Sicht bedenklicher für die Patienten ist der hinterhältige Angriff auf die freie Arztwahl, die hinter diesem Gesetzesvorhaben steckt. Die Verantwortlichen verschweigen, dass der Patient nur ein Anrecht auf diese schnelle Terminvermittlung hat, wenn die medizinische Indikation - zum Beispiel durch den Hausarzt gestellt - stimmt.

Der Patient muss sich zuvor selbst um einen Termin bemüht haben, bis er sich dem bürokratischen Prozedere der Terminservicestelle unterwerfen kann, um schließlich an einen vielleicht auch weit entfernten Arzt oder eine Klinik verwiesen zu werden.

Mit "Beauftragung" endet die freie Arztwahl

Das Kernproblem ist, dass der Patient eben nicht den Termin bei dem Facharzt seines Vertrauens oder seiner Wahl erhält, sondern mit der "Beauftragung" der Terminservicestelle seine freie Arztwahl aufgibt.

Für einen freiheitlich denkenden Menschen ist es aber ein hohes Gut, dass ich mir meinen Arzt selbst aussuchen darf, weil dieses Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient die Qualität unseres Gesundheitssystems ausmacht.

Und dieses Bürgerrecht muss aus Sicht der FDP im Interesse der Patienten verteidigt werden.

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