Darmkrebs-Screening

Grüne rügen eigene Projekte der Kassen

Veröffentlicht: 12.07.2013, 12:53 Uhr

BERLIN. Die Grünen im Bundestag werfen dem Bundesgesundheitsministerium vor, bei der Krebsfrüherkennung den bisherigen politischen Konsens aufzukündigen.

Das BMG hat es auf eine Anfrage der gesundheitspolitischen Sprecherin, Birgitt Bender, hin begrüßt, dass eine wachsende Zahl von Kassen, eigene Screening-Programme zur Darmkrebsfrüherkennung auflegen.

Unverständlich, aus Sicht von Bender. Bereits vor Jahren sei im Kampf gegen das sogenannte graue Mammografie-Screening das gemeinsame Ziel einer einheitlichen, qualitätsgesicherten Früherkennung formuliert worden, so Bender.

Das BMG erklärte dagegen, wissenschaftlich betreute und evaluierte Projekte der Kassen seien "sinnvolle Maßnahmen".

Es habe gute Gründe gehabt, dass der Gesetzgeber im Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz zuerst den Bundesausschuss beauftragt hat, Einzelheiten des Screenings zu regeln, entgegnet Bender.

Dafür hat der GBA bis Ende April 2016 Zeit. "Screenings sind weder ein geeignetes Wettbewerbsfeld (der Krankenkassen, d. Red.), noch eignen sie sich für Experimente an den Versicherten", kritisierte Bender.

Kritik von Experten bereits 2011

Sie verwies dazu auf die Erfahrungen mit dem Mammografie-Screening. Es sei eine "unbequeme Wahrheit", dass sich die anfängliche Hoffnung auf viele gerettete Menschenleben nicht erfüllt habe.

Eine Arbeitsgruppe, die sich im Rahmen des Nationalen Krebsplans mit der Weiterentwicklung der Darmkrebsfrüherkennung beschäftigt hat, übte 2011 Kritik am Status quo der bisherigen Früherkennung: Nicht nur die Teilnahmerate (Männer 19,3; Frauen 21,3 Prozent in den Jahren 2003 bis 2011) sei zu gering.

Beim Stuhlbluttest würden auffällige Befunde nicht ausreichend abgeklärt, die Komplikationsrate innerhalb von 30 Tagen nach der Vorsorge-Koloskopie werde zu wenig dokumentiert, monierten die Experten.

Das Fehlen gezielter Früherkennungsangebote für Personen mit einem familiären oder hereditären Darmkrebsrisiko bewertete die Arbeitsgruppe als eine weitere Schwäche der bisherigen Angebote.

Darmkrebs gilt in Deutschland mit jährlich etwa 65.000 Neuerkrankungen und etwa 27.000 Todesfällen bei Männern und Frauen als zweithäufigste Krebserkrankung und zweithäufigste Krebs-Todesursache. (fst)

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