Darmkrebsscreening

DAK und TK verschicken schon Einladungsschreiben

Patienten sollen künftig zum Darmkrebsscreening eingeladen werden - so sieht es das Krebsfrüherkennungsgesetz vor. Noch sind nicht alle Details geklärt, doch einige Kassen preschen vor.

Von Friederike Klein Veröffentlicht:
Darmspiegelung bei einer Patientin: Mit Einladungsverfahren soll die Krebsvorsorge vorangetrieben werden.

Darmspiegelung bei einer Patientin: Mit Einladungsverfahren soll die Krebsvorsorge vorangetrieben werden.

© Patrick Pleul/dpa

MÜNCHEN. Das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz sieht ein organisiertes, qualitätsgesichertes Screeningprogramm für Darmkrebs vor, zu dem alle Anspruchsberechtigten eingeladen werden. Die Umsetzung wird aber einige Jahre dauern.

Weil Häufigkeit und Altersgrenzen der Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen nicht mehr gesetzlich vorgegeben werden, muss der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) diese gemäß aktuellem Wissensstand festlegen.

Bis 2016 sollen die Festlegungen erfolgen, 2017 kann die organisierte Krebsfrüherkennung dann endlich beginnen.

Das dauere viel zu lange, so Dr. Christa Maar, Präsidentin des Netzwerks gegen Darmkrebs e. V. aus Anlass des V. Fachsymposiums des Vereins in München.

Sie möchte, dass insbesondere die 20 Prozent der Bevölkerung, die ein familiäres oder hereditäres Darmkrebsrisiko haben, endlich Anspruch auf ein risikoadaptiertes Screeningprogramm haben.

Dazu bietet das "Netzwerk gegen Darmkrebs" dem GBA Hilfe an und unterstützt verschiedene Studien, um Detailfragen des Screenings zu klären.

So soll die Studie "Familien schützen und stärken" populationsbasierte Basisdaten zum familiären Darmkrebsrisiko und damit zur risikoangepassten Früherkennung liefern (www.darmkrebs-familienstudie.de).

Daten des Tumorregisters zusammenführen

Nach Angaben von Professor Ulrich Mansmann, Biometriker und Epidemiologe der LMU München, werden Darmkrebspatienten im Einzugsgebiet des Tumorregisters München angesprochen.

Ziel ist, aus den Angaben von Patienten und Angehörigen Stammbäume zu rekonstruieren und diese anonymisiert mit Daten des Tumorregisters zusammenzuführen. Bisher sind allerdings nur wenig Angehörige bereit, mitzumachen.

Möglicherweise können langfristig Beratungsstellen für Angehörige dazu führen, Tabus abzubauen und mehr Akzeptanz für die Auseinandersetzung mit einem möglichen familiären Darmkrebsrisiko zu schaffen.

Für das Konzept eines familienorientierten Informationsangebots erhielten Wissenschaftler in Heidelberg den Burda-Award 2013 für die beste Präventionsidee.

Derzeit evaluiert die Arbeitsgruppe laut Projektleiterin Dr. Ulrike Bussas vom Nationalen Krebszentrum einen Fragebogen zur Risikoabschätzung und entwickelt Konzepte zur Risiko- und Lebensstilberatung von Angehörigen.

Eine grenzübergreifende Screening-Studie untersucht neben der Motivation zur Früherkennung auch sozioökonomische und Lebensstil-Risikofaktoren für Darmkrebs, so Professor Thomas Seufferlein von der Universitätsklinik Ulm.

Verglichen werden die Regionen Oberfranken und Westböhmen, die eine hohe Darmkrebsinzidenz bei gleichzeitig bisher geringer Inanspruchnahme von Früherkennungsangeboten aufweisen, und das Burgenland mit niedriger Darmkrebsinzidenz, aber hoher Inanspruchnahme der Screeningangebote.

Im Rahmen der Studie soll auf die schriftliche Einladung zunächst die persönliche Beratung beim Hausarzt folgen, der dann die weiteren Maßnahmen koordiniert.

TK-Versicherte in Bayern erhalten Post

Den Weg über den Hausarzt verfolgt auch ein Pilotprojekt der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern.

Seit 7. Juni 2013 schreibt sie alle TK-Versicherte in Bayern im Alter von 50 bis 55 Jahren an, informiert über Möglichkeiten zur Darmkrebsfrüherkennung und lädt zu einem persönlichen Beratungsgespräch beim Arzt ein, berichtete Christian Bredl, Leiter der TK Landesvertretung in Bayern.

Der Hausarzt wird im Rahmen des Projekts für seine Beratung mit bis zu 25 Euro separat honoriert, betonte Bredl. Ziel ist die ergebnisoffene und arztbezogene Sicherstellung der informierten Entscheidung zur Früherkennung.

Das Darmkrebs-Screeningprojekt der bayerischen DAK zielt direkt auf eine höhere Teilnahme an den Früherkennungsangeboten.

Seit Mai werden alle bayerischen DAK-Versicherten bei Vollendung des 50. beziehungsweise 55. Lebensjahres angeschrieben und über die Möglichkeiten und den Anspruch auf das Darmkrebsscreening informiert, sagte Sophie Schwab, Vertragschefin der DAK-Gesundheit Bayern.

Zentrales Einladungsverfahren sinnvoll

Nicht glücklich über das Vorpreschen der Krankenkassen ist Dr. Wolfgang Aubke, ehemaliger Vorsitzender des Beirats Kooperationsgemeinschaft Mammographie-Screening.

Wenn jede Krankenkasse ihr eigenes Einladungsverfahren entwickelt, sei das in den Praxen gar nicht umsetzbar, meinte er und warb dafür, die Erfahrungen und Strukturen der Mammographie-Einladungsstellen zu nutzen.

Das würde den Zeitbedarf für die Implementierung der neuen Darmkrebs-Früherkennung reduzieren. Rechtlich sei der Datentransfer von jeder Krankenkasse an die zentrale Einladungsstelle für das Erstanschreiben gesichert.

Auch Bredl und Schwab halten ein zentrales Einladungsverfahren für sinnvoll, betonen aber, dass die Krankenkassen nicht warten wollten, bis 2017 das organisierte Einladeverfahren endlich greift.

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