Häufiger Notdienst vergrätzt jungen Ärzten die Arbeit auf dem Land

Arbeitsverdichtung in Krankenhäusern trägt auch dazu bei, dass immer weniger Klinikärzte am Notdienst teilnehmen.

Von Sabine Schiner Veröffentlicht:
Geringes Honorar und lange Bereitschaftszeiten - die Realität des Notdienstes in vielen ländlichen Regionen.

Geringes Honorar und lange Bereitschaftszeiten - die Realität des Notdienstes in vielen ländlichen Regionen.

© Melanie Vollmert / pixelio.de

FRANKFURT/MAIN. Der Ärztemangel in ländlichen Regionen hat auch Auswirkungen auf den Notdienst. "Wir vermuten, dass Kollegen für ihre Praxen auf dem Land in der nächsten Zeit schlechter einen Nachfolger finden werden, weil die Belastung durch den Bereitschaftsdienst zu groß ist", sagt Manfred Schulz, Vorsitzender des Berufsverbandes Ärztlicher Notdienst (BÄN) in Frankfurt/Main. Beim kollegialen Notdienst auf dem Land vertritt außerhalb der Sprechstunden ein Arzt den anderen. Das Problem: in kleinen Notdienstbereichen sind Ärzte relativ häufig zum Bereitschaftsdienst eingeteilt. Viele machen den Dienst ungern, weil sie am nächsten Tag wieder in den Praxen sein müssen. Zudem sei das Honorar für die zwölf Stunden Bereitschaft miserabel.

Der Verband stellt verschiedene Lösungsmöglichkeiten zur Diskussion. Etwa eine zusätzlich zum erarbeiteten Honorar gezahlte Stundenpauschale, so dass qualifizierte Ärzte einen Anreiz haben, Dienste zu übernehmen. Oder die Vergrößerung der Notdienstbezirke, in denen mehrere Ortschaften zusammengeschlossen werden. Ebenfalls denkbar sei, dass der vertragsärztliche Notdienst in dünn besiedelten Gebieten in Ausnahmefällen von Ärzten des Rettungsdienstes sichergestellt werde.

Doch nicht nur auf dem Land, auch in den Ballungsgebieten verändern sich die Strukturen. Die Bereitschaft der Klinikärzte zur Mitarbeit im Bereitschaftsdienst nimmt nach Beobachtungen des Verbandes ab. Das Organisationsseminar der KV Hessen, in dem Ärzte auf die Mitarbeit im Notdienst vorbereitet werden, war früher gefragt. "Wir hatten im Schnitt 100 Teilnehmer", sagt Schulz. In den vergangenen Jahren habe die Nachfrage kontinuierlich abgenommen. In diesem Frühjahr waren es nur noch 30 Teilnehmer. "In den Kliniken findet eine solche Arbeitsverdichtung statt, dass viele nicht mehr in der Lage sind, sich für einen Zusatzverdienst beim Bereitschaftsdienst frei zu machen."

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kolumne „Hörsaalgeflüster“

Veränderung bedeutet nicht immer Verlust

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Nahaufnahme der Hände eines Labortechnikers mit einem Röhrchen mit einer Blutprobe darin aus einem Gestell mit anderen Proben.

© angellodeco / stock.adobe.com

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht