Hausärzte auf dem Weg zu Teamplayern

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Der Vernetzung der Gesundheitsberufe gehört die Zukunft, sagen Wissenschaftler und Ärztevertreter.

BERLIN (wul). Die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung wird in der Zukunft zunehmen.

"Die Zahl der multimorbiden Patienten wächst. Die hausärztliche Praxis bietet die besten Voraussetzungen, die Langzeit-Behandlung mehrerer Erkrankungen optimal zu koordinieren", sagte Professor Attila Altiner, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock, beim Hauptstadtkongress in Berlin.

Diese Ansicht vertritt auch Burkhard John, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt. "Nur ein Allgemeinmediziner kann multimorbide Patienten adäquat behandeln", sagte er.

Die Beziehung zwischen Hausarzt sei nach wie vor durch eine Kontinuität gekennzeichnet. Oft behandle ein Hausarzt mehrere Generationen einer Familie gleichzeitig, ein solches Verhältnis versetze den Hausarzt in die Lage, Vorerkrankungen sowie familiäre und soziale Risikofaktoren in der Behandlung zu berücksichtigen.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht bringe die hausärztliche Versorgung der Gesellschaft Vorteile. Nach Ansicht von Professor Altiner und KV-Chef John ist sie nicht nur kostengünstiger, sie kann auch Fehlversorgung verhindern.

"Hausärzte werden auch als Koordinatoren gebraucht", sagte John bei der Veranstaltung "Hausarzt der Zukunft" auf dem Hauptstadtkongress in Berlin.

Keinen Bedarf an Hausärzten als Koordinatoren sieht dagegen der (Noch-)Vorstand des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) Thomas Ballast. Er wechselt im Juli zur Techniker Krankenkasse.

Nachholbedarf bei der Vernetzung

"Es geht nicht darum, den Hausarzt als erste und einzige Anlaufstelle zu etablieren, sondern die hausärztliche Versorgung als eine der Wahlmöglichkeiten zu erhalten und dauerhaft zu sichern", sagte Ballast.

Gesetzlich Versicherte seien sehr wohl in der Lage, sich für ein für sie passendes Angebot zu entscheiden.

In der Hausarztpraxis der Zukunft ist der Hausarzt kein Einzelkämpfer mehr, sondern ein Teamplayer. Er werde nicht nur mit ärztlichen Kollegen, sondern auch mit seinen Medizinischen Fachangestellten enger zusammenarbeiten müssen. Darüber waren sich alle Beteiligten dann doch einig.

"Den Teams aus Ärzten und besonders qualifizierten medizinischen Angestellten, an die dann bestimmte Aufgaben delegiert werden, gehört die Zukunft der Versorgung", zeigte sich KV-Chef John überzeugt.

Die Einzelpraxis wird nach Ansicht der Fachleute dennoch nicht aussterben. "Aber sie wird künftig besser vernetzt sein, und zwar nicht nur in der Telemedizin, sondern vor allem interkollegial", prognostizierte Professor Altiner.

Allerdings seien die Strukturen für einen akademischen Austausch unter Allgemeinmedizinern nach Einschätzung des Wissenschaftlers noch zu schwach ausgeprägt.

Bei der Vernetzung der Hausärzte sieht auch der vdek-Vorstand Ballast einen großen Nachholbedarf. Bisher würden die Praktiker die Möglichkeiten zur Vernetzung in Gemeinschaftspraxen oder Ärztenetzen nur unzureichend nutzen.

Damit aber ließen sich Hausärzte die Vorteile größerer Strukturen wie beispielsweise die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie entgehen.

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