Alkoholsucht

Hausärzte sollen Patienten ansprechen

Die Zahl alkoholabhängiger Erwachsener steigt. Wird die Verhinderung von Alkoholsucht endlich als nationales Gesundheitsziel definiert, könnte das entsprechenden Präventionsprogrammen zusätzlichen Rückenwind geben.

Von Martina Merten Veröffentlicht: 08.05.2014, 13:19 Uhr

BERLIN. Immer mehr Erwachsene in Deutschland sind alkoholabhängig. Inzwischen sind es 1,8 Millionen 18- bis 64-Jährige. Das entspricht 3,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. 2006 waren es lediglich 1,3 Millionen Menschen.

"Bei der Behandlung dieser Patienten nehmen Ärzte eine Schlüsselrolle ein", unterstrich Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, am Rande des 4. Aktiva Symposiums für eine aktive Alkoholtherapie in Berlin.

Aufgabe der Hausärzte sei es, die häufig unspezifischen Beschwerden der Alkoholkranken wie Schlafprobleme oder Antriebslosigkeit richtig zu deuten, Angehörige einzubeziehen und die richtigen Behandlungswege einzuleiten, so Weigeldt. Prävention sei in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung.

Formal sind die Weichen in Richtung mehr Prävention gestellt: Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, zügig ein neues Präventionsgesetz zu erarbeiten.

Bei Krankenkassen wie der DAK-Gesundheit ist die Prävention bei der Bekämpfung von Suchterkrankungen vielfach bereits etabliert, erläuterte Professor Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit.

"Gesundheitsziele.de" als Konsensplattform

So klärt die Aktion "Glasklar" Schüler, Eltern und Lehrer über Alkoholmissbrauch auf. Bei der Aktion "bunt statt blau" wurden Schüler bei einem Plakatwettbewerb aufgefordert, ihre Assoziationen zum Thema in Bildern auszudrücken. Darüber hinaus hat die DAK Selektivverträge, etwa mit Tageskliniken für Suchterkrankte geschlossen.

Richtungsweisend könnte der Entschluss der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung (GVG) sein, die Reduktion von Alkoholsucht als nächstes nationales Gesundheitsziel zu definieren.

Diese Gesellschaft hat als zentrales Diskussionsforum für die Weiterentwicklung der sozialen Sicherheit die Plattform "gesundheitsziele.de" ins Leben gerufen. Dies geht auf einen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz der Länder von 1999 zurück.

"Diese Plattform", sagte Dr. Rainer Hess, der dem GVG-Ausschuss gesundheitsziele.de vorsteht, "ist die größte Konsensusplattform im Gesundheitswesen." Es dauere lange, bis ein neues Ziel aufgenommen werde, die Einhaltung der Ziele werde ausgiebig evaluiert.

Umso entscheidender ist es nach Ansicht des ehemaligen GBA-Vorsitzenden, dass die Verhinderung von Alkoholsucht schon bald zu den nationalen Gesundheitszielen zähle.

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