Berufspolitik

Hausarztvertrag voller Kröten und Chancen

Der Schiedsspruch zum Hausarztvertrag in NRW hat nicht für Jubelschreie bei den Ärzten gesorgt. Dennoch sehen die Verbandsspitzen in Nordrhein und Westfalen-Lippe etliche Vorteile.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Es ist kein Komfortvertrag, den der Schiedsspruch für den Hausarztvertrag in NRW vorsieht. Dennoch sollten ihn die Hausärzte annehmen, rät die Verbandsspitze.

Es ist kein Komfortvertrag, den der Schiedsspruch für den Hausarztvertrag in NRW vorsieht. Dennoch sollten ihn die Hausärzte annehmen, rät die Verbandsspitze.

© kpa-Royal

KÖLN. Die Spitzen der Hausarztverbände in Nordrhein und Westfalen-Lippe empfehlen ihren Mitgliedern, den Schiedsspruch für einen Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung umzusetzen.

Um dem Ziel flächendeckender Hausarztverträge näher zu kommen, müssen die Verbände allerdings eine Kröte schlucken: den Refinanzierungsvorbehalt für die Zusatzhonorare.

"Wir empfehlen den Kollegen aus politischen und aus Versorgungsgründen, den Vertrag umzusetzen, wenn auch mit einem weinenden Auge", sagt der Vorsitzende des Hausärzteverbands Nordrhein Dr. Dirk Mecking der "Ärzte Zeitung".

Eine ganze Reihe von Argumenten spreche für das Votum von Schiedsmann Gerald Weiß, sagt Mecking. "Es ist ein Riesenvorteil, dass der Vertrag für über 60 Krankenkassen und für ganz Nordrhein-Westfalen gilt."

Er enthalte viele Versorgungselemente, für die sich der Hausärzteverband eingesetzt habe, etwa die palliativmedizinische Versorgung, Haus- und Heimbesuche oder das Überleitungsmanagement. "Die Rahmenbedingungen stimmen", sagt Mecking. Positiv sei auch die Abwicklung des Vertrags über die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft.

Beim Thema Honorar musste eine weitere Kröte geschluckt werden

Unzufrieden ist er mit der Tatsache, dass die Honorare im Wesentlichen begrenzt sind auf die Bereinigungsbeträge aus der KV-Vergütung. "Die Kritiker fürchten, dass es für das Mehr an Service und die höhere Fortbildungs-Qualität kein Mehr an Honorar gibt", berichtet Mecking.

Grund seien die gesetzlichen Vorgaben, über die sich der Schiedsmann nicht habe hinwegsetzen können. Zwar sieht der Vertrag eine Mehrvergütung von zehn Prozent für Strukturverbesserungen vor - sie wird aber nach zwei Jahren mit Blick auf die Refinanzierung überprüft.

"Beim Honorar kommen wir besser weg als mit der KV-Vergütung, aber schlechter als mit den Hausarztverträgen der Techniker Krankenkasse und der IKK Classic", sagt der Hausarzt aus Duisburg.

Doch auch der Schiedsspruch habe den großen Vorteil, dass er den Hausärzten feste Vergütungen beschere, die nicht den Unwägbarkeiten der Honorarverteilung in den KVen unterworfen seien.

Fast drei Viertel pro Teilnahme

Trotz der Bedenken hätten bei der gemeinsamen Delegiertenversammlung der nordrheinischen und westfälisch-lippischen Hausarztverbände fast drei Viertel die Teilnahme signalisiert, berichtet Mecking.

Auch Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, kann dem Schiedsspruch Positives abgewinnen: "Dies ist ein klares Startsignal für eine bessere hausärztliche Versorgung unserer Patienten, die Stärkung der Hausarztpraxen und die Umsetzung von Hausarztverträgen in eigenen Strukturen."

Weigeldt setzt auf rasche flächendeckende Einschreibungen, damit die Hausärzte die notwendigen Nachbesserungen erreichen können.

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