Ausschluss von Mitgliedern

Hauskrach bei MEDI: Ex-Vorsitzender Baumgärtner attackiert massiv den Vorstand

Das vereinsinterne Verfahren um den geplanten Ausschluss zweier Hausärzte aus MEDI Baden-Württemberg zieht immer größere Kreise. Jetzt meldet sich der langjährige Verbandschef Dr. Werner Baumgärtner zu Wort.

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Massive Kritik am Handeln des Nachfolgers: Der ehemalige MEDI-Vorsitzende Dr. Werner Baumgärtner (li.) und der aktuelle Vorsitzende Dr. Norbert Smetak.

Massive Kritik am Handeln des Nachfolgers: Der ehemalige MEDI-Vorsitzende Dr. Werner Baumgärtner (li.) und der aktuelle Vorsitzende Dr. Norbert Smetak.

© Silicya Roth

Stuttgart. Der geplante Ausschluss von zwei Hausärzten aus MEDI Baden-Württemberg weitet sich zu einem Kulturkonflikt aus. Am 23. Dezember soll das entsprechende Verfahren um die beiden Hausärzte Professor Wolfgang von Meißner und Dr. Paul Blickle abgeschlossen werden. Führungskreis und die Delegierten von MEDI wurden aufgefordert, bis zu diesem Datum gegebenenfalls Stellungnahmen zur Causa abzugeben.

„Ich gehe davon aus, dass im Rahmen des Umlaufverfahrens eine Entscheidung in der Sache im Sinne des Vereins erfolgen wird und die Kollegen ausgeschlossen werden. Allerdings vermute ich, dass die Kollegen von Meißner und Blickle diese Entscheidung juristisch anfechten werden“, sagte MEDI-Chef Dr. Norbert Smetak der Ärzte Zeitung.

Der MEDI-Mitgründer und langjährige Vorsitzende, Dr. Werner Baumgärtner, zeigt sich über den geplanten Vereinsausschluss der beiden Kollegen empört. Er habe den Eindruck, heißt es in einem zweiseitigen Schreiben, das an Delegierte und MEDI-Mitglieder versandt wurde, dass Blickle und von Meißner sich allein deshalb „schuldig“ gemacht hätten, „weil sie jahrelang Teil meines MVZ-Kompetenzteams“ gewesen seien.

Der aktuelle Konflikt dreht sich im Kern um das IT-Management und die Hosting-Verträge für vier große MEDI-MVZ, für die das Brüderpaar von Meißner/Blickle zusammen mit dem im Mai 2025 entlassenen ehemaligen MEDI-Geschäftsführer Wolfgang Fink eigene Unternehmen gegründet hatten. Nach dem Rauswurf Finks eskalierte der Streit.

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Weil Fink, Blickle und von Meißner die IT-Dienstleistungs-Verträge daraufhin kündigten, wurde die Arbeit in den MVZ für rund zwei Wochen beeinträchtigt, so die Darstellung. Der gesamte Vorgang ist inzwischen Gegenstand zivil- und strafrechtlicher Auseinandersetzungen. Bereits im November hatte der MEDI-Vorstand in einem Schreiben an die Landesdelegiertenversammlung massive Vorwürfe gegen die beiden Hausärzte erhoben.

Von Meißner nennt geplanten Ausschluss rechtswidrig

Genannt werden unter anderem „unehrenhaftes Verhalten“ sowie „öffentliche Diskriminierung“ von MEDI. Vorgehalten wird dem Brüderpaar zudem, „vorsätzlich“ den Betrieb der MEDI-MVZ gestört zu haben. Auf Anfrage der Ärzte Zeitung teilte Wolfgang von Meißner mit, im Falle eines Vereinsausschlusses behalte er sich „ausdrücklich rechtliche Schritte vor“. Nach Einschätzung des von ihm beauftragten Anwalts sei der Ausschluss „in der derzeit diskutierten Form rechtswidrig“.

„Ich verstehe nicht wirklich, warum Herr von Meißner nicht freiwillig aus MEDI Baden-Württemberg austreten möchte“, sagt Smetak. Dieser habe doch öffentlich erklärt, „dass der Hausärztinnen- und Hausärzteverband seine neue berufspolitische Heimat sei“, so der MEDI-Vorsitzende.

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Von der Ärzte Zeitung gefragt, warum er nicht austrete, erklärt Wolfgang von Meißner, er habe im Zusammenhang mit der Gründung der MEDI-MVZ eine private Bürgschaft in sechsstelliger Höhe übernommen. Und weiter:

„Trotz der späteren Übertragung meiner Gesellschaftsanteile an ein von MEDI und ze:ro gemeinsam erworbenes Krankenhaus wurde ich bis heute – trotz mehrfacher Aufforderung – nicht aus dieser Bürgschaft entlassen. Solange diese Frage nicht geklärt ist, halte ich einen Austritt für wirtschaftlich nicht verantwortbar.“

Baumgärtner sieht sein „Lebenswerk in Gefahr“

Dass der Hausärztinnen- und Hausärzteverband zu seiner berufspolitischen Heimat geworden sei, „steht nicht im Widerspruch zu meiner formalen Mitgliedschaft bei MEDI, solange offene rechtliche und wirtschaftliche Fragen bestehen“, erläutert von Meißner.

MEDI-Gründer Baumgärtner weitet in seinem Schreiben die Konfliktzone mit dem aktuellen Vorstand um Dr. Norbert Smetak aus. Er sehe „sein Lebenswerk“ – MEDI – in Gefahr und werde dem „nicht tatenlos zusehen“. Der bis 2023 amtierende MEDI-Vorsitzende wirft seinem Nachfolger vor, „wirtschaftlich wirr und unprofessionell“ zu agieren und zieht eine negative Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung von MEDI.

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MEDI wies am Mittwoch die Darstellungen Baumgärtners zurück. „Ich habe Respekt vor der Lebensleistung meines Vorgängers. Aber die Falschbehauptungen und Verleumdungen, mit denen er sich ohne unser Wissen an unsere Mitglieder und die Presse wendet, um MEDI bewusst zu schaden, entbehren jeder Grundlage“, heißt in einer Mitteilung von Smetak.

Der MEDI-Chef skizzierte im Hintergrundgespräch mit der Ärzte Zeitung das Verhältnis zu seinem Vorgänger, gab die Aussagen dann aber nicht zur Veröffentlichung frei.

Smetak hält MEDI für „gut aufgestellt“

Baumgärtner war aus seiner früheren Funktion im Aufsichtsrat der MEDIVERBUND AG abgewählt worden, ebenso ist sein Beratervertrag, der nach seinem offiziellen Ausscheiden mit MEDI geschlossen wurde, inzwischen gekündigt worden.

Man habe „Fehler der Vergangenheit“ korrigieren müssen, kommentiert der aktuelle MEDI-Chef die Bilanz der jüngsten Vergangenheit. Und weiter: „Wir sind gut aufgestellt, wirtschaftlich sehr stabil und können zuversichtlich auf das kommende Jahr schauen“, zeigt sich Smetak überzeugt.

In einem „Weihnachtsbrief“ an MEDI-Funktionäre und Delegierte schreibt der Verbandsvorsitzende: „Von Störfeuern von außen haben wir uns nicht beeinträchtigen lassen und werden dies auch zukünftig nicht tun.“ (fst)

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