Berufspolitik

Heftiger Streit um Frühtest auf Trisomie 21

Das Forschungsministerium hat die Entwicklung eines Frühtests auf Trisomie 21 gefördert. Die Kritik war harsch: Diskriminierung in der schlimmsten Form, nannte es der Behindertenbeauftragte der Regierung. Das lässt das Ministerium nicht auf sich sitzen.

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Rachel: "Die Kritik von Herrn Hüppe ist absurd und nimmt zudem eine größere Gefährdung von Mutter und Kind beim derzeitigen Diagnoseverfahren in Kauf."

Rachel: "Die Kritik von Herrn Hüppe ist absurd und nimmt zudem eine größere Gefährdung von Mutter und Kind beim derzeitigen Diagnoseverfahren in Kauf."

© Frank Ossenbrink

NEU-ISENBURG (chb). Weil das Bundesforschungsministerium die Entwicklung eines Frühtests auf Trisomie 21 mit 230.000 Euro gefördert hat, ist es zu einem heftigen Streit mit dem Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU), gekommen.

Hüppe hatte in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" gesagt: "Das ist Behinderten-Diskriminierung in der schlimmsten Form."

Bei dem Test handle es sich um "Rasterfahndung, mit dem einzigen Ziel, Menschen mit Behinderungen auszusortieren und zu töten". Unterstützung erhielt Hüppe dabei von Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU).

Dieser bezeichnete den von der Konstanzer GATC Biotech AG entwickelten Frühtest als "Programm zur Förderung der Abtreibung und zur Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen".

Singhammer forderte das Forschungsministerium auf, die Förderung sofort zu beenden.

Diese Forderung hätte er sich offenbar sparen können, denn nach Angaben des Ministeriums wurde das Projekt lediglich vom 1. April bis zum 31. Dezember 2010 finanziell unterstützt.

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Thomas Rachel, hat die Kritik seiner Unionskollegen in scharfer Form zurückgewiesen.

"Die Kritik von Herrn Hüppe ist absurd und nimmt zudem eine größere Gefährdung von Mutter und Kind beim derzeitigen Diagnoseverfahren in Kauf", sagt Rachel.

Es sei ethisch nicht vertretbar, die Weiterentwicklung einer in Deutschland angewandten Untersuchungsmethode nicht fördern zu wollen, die das ungeborene Leben und die werdende Mutter besser schützen könne.

Die bisher meistens angewandte Fruchtwasseruntersuchung führe zu einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko. Eine alternative sichere Methode, ohne entsprechendes Risiko, sei daher ein echter Fortschritt.

Nach Angaben des Ministeriums hatte die Ethikkommission der Ärztekammer Berlin keine Einwände gegen das Forschungsprojekt. Das mit der Firma GATC kooperierende Berliner Pränataldiagnostiklabor habe dieses Votum eingeholt.

Auch der Berufsverband der Frauenärzte kann die Bedenken des Behindertenbeauftragten nicht nachvollziehen. "Die betroffenen Paare haben ein eigenes Gewissen", sagt der Vorsitzende des Berufsverbandes in Rheinland-Pfalz, Dr. Werner Harlfinger.

Niemand, der einen solchen Test anwende, diffamiere Behinderte. Schließlich gebe es doch jetzt schon einen Anspruch auf invasive Tests wie die Amniozentese. "Wir machen uns strafbar, wenn wir nicht auf diese Möglichkeiten hinweisen", so der Gynäkologe.

Er sieht keinen Sinn darin, einen schonenderen Test nicht anzuwenden. "Den medizinischen Fortschritt kann man nicht verhindern", sagt Harlfinger. "Im übrigen erwarte ich von Politikern, dass sie bei solchen Themen die Luft mal rausnehmen und nicht weiter emotionalisieren."

Bei dem Test soll eine Blutprobe von zehn Millilitern aus den Armvenen der Mutter ausreichen, um festzustellen, ob Trisomie 21 vorliegt. GATC Biotech will den pränatalen Diagnostiktest bis Ende dieses Jahres auf den Markt bringen

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