Berufspolitik

Helios-Ärzte beklagen schlechte Stimmung

Veröffentlicht: 22.03.2011, 05:00 Uhr

NEU-ISENBURG (chb). Viele Jahre galten die Helios-Kliniken Ärzten als Vorzeige-Arbeitgeber, doch jetzt scheint die Stimmung in einigen Häusern des privaten Klinikkonzerns getrübt. Einen Brief an den Vorstandsvorsitzenden Francesco de Meo haben innerhalb einer fast 700 der 3000 bei Helios beschäftigten Ärzte unterzeichnet.

In dem Schreiben, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt, heißt es unter anderem: "An die Stelle medizinisch motivierter Entscheidungen tritt zunehmend ein Kampf um die Einhaltung betriebswirtschaftlicher Vorgaben." Zudem habe sich der Ton gegenüber dem medizinischen Personal so verschärft, dass er zunehmend einer "Abmahnungskultur" gleich komme.

Der Marburger Bund will die Stimmungslage bei den derzeit laufenden Tarifverhandlungen mit Helios berücksichtigen. Der aktuelle Tarifvertrag läuft zum Ende dieses Monats aus. Am kommenden Freitag steht die nächste Verhandlungsrunde an.

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Kommentare
Dr. Volker Neuhaus

Schlechte Stimmung bei Ärzten in einer Aktiengesellschaft

Bei der Betrachtung der internen Politik in dem Helios-Klinikkonzern muss man berücksichtigen, dass dieser bis vor ein paar Jahren vom Chirurgen und Gefäßchirurgen Dr. Lutz Helmig verantwortlich geleitet wurden. Man kann konnte ihm wahrscheinlich ein ärztliches Ethos unterstellen, dass zu "medizinisch motivierten Entscheidungen" geführt hat.
Jetzt gehören die Helios-Kliniken zum Fresenius Konzern und der ist im Sinne des shareholder value nur noch seinen Aktionären verpflichtet. Das heißt, EBITDA muss möglichst gleich Rendite sein, da kommen Investitionen - auch und vor allem in die Leistungsträger (das Personal) - schon mal zu kurz.
Aber das ist der Preis, den man zahlt, wenn die Politik eine Privatisierung ureigener staatlicher Aufgaben (Gesundheit, Bildung, Energie, Verkehr) um jeden Preis fördert.

MfG! Dr. med. V. Neuhaus


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