Direkt zum Inhaltsbereich

In Polen steht eine Gesundheitsreform an

WARSCHAU (sbe). Polen hat vor, sein Gesundheitssystem zu reformieren. Möglicherweise werden auch staatliche Kliniken und Gesundheitseinrichtungen an private Investoren verkauft - und vielleicht auch an deutsche Interessenten.

Veröffentlicht:

"Eine Möglichkeit ist, dass die öffentlichen Einrichtungen in Aktiengesellschaften oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung umgewandelt werden, die zum überwiegenden Teil von den Gemeinden kontrolliert werden", heißt es in einer Erklärung, in der die polnische Regierung der "Ärzte-Zeitung" die Überlegungen vorstellt. Dadurch erhielten die Gemeinden die Möglichkeit, eigenständiger als bisher zu agieren und auch die Kliniken zu veräußern.

Der Hintergrund: Das polnische Gesundheitssystem wird von Schulden von über drei Milliarden Euro belastet und garantiert keine ausreichende Versorgung. Die Warteschlangen vor den staatlichen Ärztezimmern sind lang, und wer ein akutes Problem hat, muss sich aus eigener Tasche in einer privaten Einrichtung behandeln lassen, die für viele Polen aber zu teuer sind.

Einstieg in den Kliniksektor ist für Investoren interessant.

Der Einstieg in eine polnische Klinik könnte für Investoren interessant sein, weil Polen mit knapp 40 Millionen Einwohnern einer der größten EU-Märkte ist. Darüber hinaus sind die Mediziner gut ausgebildet, verfügen über westliche Auslandserfahrung und können aufgrund der relativ niedrigen Lebenshaltungskosten für vergleichsweise geringe Gehälter arbeiten.

Zusätzlich klettert das Einkommen der Patienten stetig. Immer mehr Bürger können sich immer mehr Gesundheitsdienstleistungen leisten. Aber auch Deutsche, für die das Nachbarland schnell erreichbar ist, können sich in Polen behandeln lassen. "Man kann sich einen stationären Aufenthalt in einer polnischen Einrichtung von seinem Kostenträger genehmigen lassen", sagte ein Sprecher der AOK auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Trotzdem nimmt die Regierung das unpopuläre Wort "Privatisierung" nicht in den Mund, weil Opposition und Ärzte-Gewerkschaften befürchten, dass sich ein Investor nur an der Gewinnmaximierung orientiert und nicht am Wohl des Patienten. Sie betont, dass es dabei nur um eine Umwandlung in eine andere Rechtsform handele, ohne den Eigentümer zu wechseln. Obwohl die Bedingungen für einen Investor in Polen gut sind, zeigen deutsche Kliniken bisher wenig Interesse. "Wir konzentrieren uns auf den deutschen Markt", sagte eine Sprecherin der Marseille Kliniken AG der "Ärzte Zeitung".

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Brustkrebsfrüherkennung

Wie effektiv ist das Mammografiescreening in Europa?

Arbeiten in der Alpenrepublik

Alternative Schweiz? Die Chancen für deutsche Ärzte stehen gut

Buchtipp

Neuer Bildband: Helden eines schrecklichen Krieges

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Ein Medikament unter vielen, das wenigen hilft? 2400 Wirkstoff-Kandidaten in der EU haben den Orphan-Drug-Status.

© artisteer / Getty Images / iStock

Wirkstoff-Kandidaten mit Orphan-Drug-Status

Orphan Drugs – Risiken für ein Modell

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Arzt entwickelt MFA-Börse

So finden Praxisinhaber die MFA, die zu ihnen passt

Ernährungsberatung

Schilddrüse: Vegane Ernährung verschärft Jodmangel

Lesetipps
Ein Stapel mit vielen Büchern

© Frank Rumpenhorst/dpa

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Blick über die Schulter eines Trompeters, der ein Konzert spielt.

© Kitreel / Stock.adobe.com

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte