Personalisierte Medizin

Industrie macht die Gegenrechnung

Personalisierte Medizin führt nicht zu einer Explosion der Gesundheitskosten, glauben Vertreter der Pharmaindustrie. Vielmehr helfe sie, Folgekosten zu vermeiden.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Glaubt an den Nutzen der personalisierten Medizin: vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer.

Glaubt an den Nutzen der personalisierten Medizin: vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer.

© Stephanie Pilick

BERLIN. Eine Kompensation für höheren Entscheidungs- und Beratungsaufwand der Ärzte beim Einsatz von personalisierter Medizin hat die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), Birgit Fischer, gefordert.

Die Kostenträger sollten den Zusatznutzen und die Kosteneffizienz dieser Innovationen anerkennen.

"Personalisierte Medizin ändert die Kostenstruktur im Gesundheitswesen. Für die Vortests muss mehr ausgegeben werden, doch dafür lassen sich therapeutische Fehlversuche und Folgekosten einsparen", sagte Fischer bei der Fachtagung in Berlin, die der Bundesverband Managed Care (BMC) in Zusammenarbeit mit dem vfa und dem BPI ausgerichtet hat.

Die Befürchtungen der Kassen, personalisierte Medizin könne die Versorgung verteuern, müssten ernst genommen und mit dem für Patienten entstehenden Zusatznutzen abgewogen werden, sagte Professor Manfred Amelung, Vorstandsvorsitzender des BMC.

Fahrenkamp erwartet keine Kostenexplosion

Anbieter neuer Produkte und Therapien, aber auch innovative Versorgungskonzepte sähen sich in Deutschland einem "extrem abgeschotteten Markt" gegenüber. Das Gesundheitswesen nutze die Innovationskraft der Industrie zu wenig.

Die Unternehmen in Selektivverträge einzubinden biete aber Chancen, Innovationskreisläufe in Gang zu bringen.

Die personalisierte Medizin erschöpfe sich nicht in der Stratifizierung von Patientenpopulationen, sagte Henning Fahrenkamp, Hauptgeschäftsführer des BPI. Sogar im Wortsinne personalisiert seien Zelltherapien und die regenerative Medizin.

Zu dem von den Kassen befürchteten "Horrorszenario einer Kostenexplosion" werde es nicht kommen, sagte Fahrenkamp. Den Kosten der personalisierten Medizin ständen zum Beispiel weniger Krankenhausaufenthalte und weniger Fehltage gegenüber.

Derzeit sind 29 Kombinationen aus Diagnostika und Therapeutika zugelassen, davon allein 22 zur Behandlung von Krebserkrankungen.

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