Politik kontra Kassen

Neue Chance für die personalisierte Medizin

Der Staat fällt auf die Verheißungen von Pharmatrends herein, warnen Forscher. Politiker geben der personalisierten Medizin dennoch eine Chance.

Veröffentlicht: 29.04.2013, 17:10 Uhr

BERLIN. Einen kritischen Dialog mit der Pharmaindustrie über die Investitionen in die personalisierte Medizin hat die Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner, gefordert.

Die Frage müsse erlaubt sein, was dieser neue Zweig in der Versorgung den Menschen in Deutschland bringe. Die industrielle Forschung konzentriere sich zu wenig auf die Frage des Nutzens und den Bedarf an einem Produkt, sagte Elsner bei einer Diskussionsveranstaltung des vdek am Donnerstag in Berlin.

Dies zeige sich am Rückgang der Antibiotikaforschung und dem gleichzeitigen Aufwachsen der finanziell lukrativeren personalisierten Medizin.

In der vergangenen Woche hat die Bundesregierung angekündigt, die Forschung zur personalisierten Medizin bis 2016 mit 100 Millionen Euro zu fördern. Dies sei ein Ausweg aus dem Dilemma, dass nicht alle Patienten gleich auf medikamentöse Therapien ansprächen.

Keine "übergroßen Hoffnungen" auf die Ergebnisse dieser Zuwendungen zu setzen, riet der Münchner Medizinethiker Professor Georg Marckmann bei der vdek-Veranstaltung. Die staatliche Förderung laufe dem Trend hinterher ohne zu prüfen, ob der überhaupt dem Versorgungsbedarf einer alternden Gesellschaft entspreche.

Die personalisierte Medizin werde von ökonomischen Erwartungen der Industrie getrieben. Zum tatsächlichen Erfolg der Verfahren bestehe jedoch eine große Diskrepanz. Der Nutzen sei gering, wenn man von den Therapieerfolgen mit Imatinib und Trastuzumab absehe.

In die gleiche Kerbe hieb auch der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Professor Jürgen Windeler. "Erst der Nutzennachweis, dann das Geld," sagte Windeler. Perspektivisch sollte es Nutzenbewertungen für alle medizinischen Methoden geben.

Fürsprache erfuhr die personalisierte Medizin von dem SPD-Gesundheitspolitiker Steffen-Claudio Lemme. Darin gebe es Einvernehmen über Parteigrenzen hinweg. "Wir benötigen mehr personalisierte Medizin, weil der Bedarf dafür einfach da ist," sagte Lemme. (af)

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