Berufspolitik

Industrie nimmt den Staat in die Pflicht

Die Politik soll Innovationen ermöglichen, die sich medizinisch und wirtschaftlich lohnen, fordert der Branchenverband BDI.

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BERLIN (hom). In der Gesundheitswirtschaft können nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) in den nächsten zwei Jahren bis zu 1,2 Millionen weitere Arbeitsplätze entstehen. Um das Beschäftigungsplus möglich zu machen, müsse die Politik jedoch Rahmenbedingungen setzen, "mit denen sich Innovationen medizinisch und wirtschaftlich lohnen", erklärte BDI-Präsidiumsmitglied Professor Andreas Barner vom Arzneimittelhersteller Boehringer Ingelheim anlässlich der Vorstellung eines Positionspapiers von BDI und Arbeitgeberverbänden diese Woche in Berlin.

Derzeit sind in der Gesundheitswirtschaft rund 4,3 Millionen Menschen beschäftigt. Das ist etwa jeder neunte Beschäftigte in Deutschland. Mit einem Jahresumsatz von rund 260 Milliarden Euro und einem Anteil von 12,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) gehört die Branche zu den größten Sektoren der Volkswirtschaft. Laut BDI erwirtschaftete die Branche zuletzt einen Außenhandelsüberschuss von rund 7,8 Milliarden Euro.

Für die in der Pharma- und Medizintechnologiebranche tätigen Unternehmen forderte Barner eine steuerliche Forschungsförderung.

Dies würde die Forschung in Deutschland nachhaltig stimulieren, zeigte sich Barner überzeugt. "Die Gesundheitswirtschaft muss in der Lage sein, eigenständige Forschung und Entwicklung voranzutreiben und die notwendigen Innovationen zur Verfügung zu stellen, die nicht nur Menschen helfen, sondern auch wirtschaftlichen Mehrwert generieren."

Dr. Meinrad Lugan, Vorstandsmitglied beim Medtech-Hersteller Braun Melsungen, betonte, Deutschland sei "keine schlechte Forschungslandschaft in toto". Viele Innovationen aus der Pharma- oder der Medizintechnologiebranche verhungerten aber, weil die Forschungsförderung zu schnell auslaufe. "Die Gesundheitswirtschaft tickt in anderen Jahreszahlen", sagte Lugan. Manche Innovationen bräuchten bis zu zwölf Jahre, um Marktreife zu erlangen.

Barner und Lugan sprachen sich zudem dafür aus, das Verfahren der Nutzenbewertung neuer medizinischer Technologien und Arzneimittel transparenter zu machen und an "international anerkannten Standards" auszurichten. Das Verfahren des für die Kosten-Nutzen-Bewertung zuständigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zeichne sich durch Intransparenz aus, kritisierte Lugan.

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