Darmkrebs

Initiative für eine intensivierte Tertiärprävention

Der Erfolg in der Darmkrebstherapie macht Patienten immer häufiger zu chronisch Kranken, die lange mit Krebs leben können. Nun sind ausgefeiltere Strategien zur Tertiärprävention nötig.

Von Ingeborg Bördlein Veröffentlicht: 24.11.2014, 17:33 Uhr

HEIDELBERG. Dank Früherkennung und effektiverer Behandlung ist Darmkrebs häufig kein Todesurteil mehr. Nahezu zwei von drei Patienten leben heute laut Statistik des Robert-Koch-Instituts länger als fünf Jahre.

Selbst in metastasierter Situation lässt sich bei 30 Prozent der Patienten noch ein Langzeitüberleben durch multimodale Therapiekonzepte erreichen. So wird das kolorektale Karzinom zunehmend zur chronischen Erkrankung mit einem speziellen Versorgungs- und Unterstützungsbedarf dieser Langzeitüberlebenden.

Die Stiftung LebensBlicke in Ludwigshafen und Partner aus der Onkologie wollen angesichts dieser Entwicklung den Blick stärker auf "die dritte Dimension der Prävention" lenken.

"Eine erfolgreiche und umfassende Präventionsstrategie beinhaltet auch die Tertiärprävention, die besonders auf das Leben nach und mit einer gut kontrollierten chronischen Krebserkrankung abzielt", heißt es in der "Heidelberger Erklärung zur Tertiärprävention", mit der Ärzte und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen stärker für dieses Thema sensibilisiert werden sollen.

Die "Heidelberger Erklärung"

Die Gastroenterologen Professor Jürgen F. Riemann von der Stiftung LebensBlicke und Professor Matthias Ebert von der Universitätsmedizin Mannheim, die Präventionsforscherin Professor Cornelia Ulrich vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und die Onkologen Professor Dirk Arnold und Dr. Georgia Schilling (Freiburg) zeigen als Autoren der "Heidelberger Erklärung" Defizite in der Darmkrebsnachsorge auf.

Zwar sei die strukturierte Nachsorge in den Stadien II und III durch die S3-Leitlinien der Fachgesellschaften für die ersten fünf Jahre genau festgelegt und werde im Kontext existierender sinnvoller Therapieoptionen bei Rezidivnachweis empfohlen und auch in Anspruch genommen.

Doch gelte es zu definieren, welche Therapieoptionen beim Rezidiv sinnvoll seien. So müsse vor allem die Evidenz einer Nachsorge, die das jeweilige Risiko und bestimmte Zielgruppen stärker berücksichtigt, in Studien überprüft werden.

Für Patienten mit kurativ intendierter Therapie sei die Nachsorge so zu erweitern, dass auch andere Belastungen der Patienten erfasst würden. Etwa Langzeitfolgen multimodaler Therapien, Komorbiditäten, das Gesundheitsverhalten der Patienten und nicht-medizinische psychosoziale Belastungen. Hierfür gebe es keine definierten Nachsorgepläne.

Geeignete Informationen und Empfehlungen für die Patienten sollten sich stärker am Bedarf und den Wünschen der Betroffenen orientieren. Denn Patienten wollten selbst etwas für ihre Gesundung tun und das Gesundheitsverhalten der Erkrankten könne ebenso bedeutsam für die Prognose wie die Krankheit an sich.

Aus den unterschiedlichsten Angeboten gelte es deshalb wissenschaftlich begründete, einheitliche, klar verständliche und vor allem der individuellen Situation und dem Risiko angepasste Informationen zu erarbeiten.

Diese sollten für die Patienten leicht zugänglich sein, Barrieren abgebaut werden. Um zu überprüfen, inwieweit die Empfehlungen hinsichtlich Umfang und Qualität umgesetzt würden, seien Wirksamkeitsstudien erforderlich.

Weitere Studien nötig

Präventive Ansätze gelte es in klinischen Studien zu überprüfen, so die Krebsforscher. So sei der Zusammenhang von Sport und Bewegung auf das Rezidivrisiko bei Darmkrebs von Bedeutung. Hier zeigten Beobachtungsstudien einen klaren Nutzen von Sport und Bewegung zur Prophylaxe.

Auch für die medikamentöse Tertiärprävention gebe es Hinweise auf eine Senkung des Rezidivrisikos. Ebenso sei der Stellenwert der Chemoprävention zu überprüfen. Die Daten seien hier widersprüchlich. Aktuelle Studien wiesen auf Subgruppen hin, die davon besonders profitieren könnten.

Schließlich sei häufig unklar, wer die Nachsorge zu welchem Zeitpunkt übernehme. Hier halten es die Unterzeichner für erforderlich, dass die Zuständigkeit klarer geordnet wird. Um die Schnittstellenproblematik zu lösen, bedürfe es detaillierter Nachsorgepläne.

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