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Innovationen sollen schneller zum Patienten

Die Pharmaindustrie und die Hersteller von Medizintechnik zeigen sich zuversichtlich, dass "die Planwirtschaft im Gesundheitswesen jetzt ein Ende hat".

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung finden sich dazu "erfreulich deutliche Positionen", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (VFA) Cornelia Yzer bei einer Diskussionsveranstaltung mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) und dem Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) in München.

Die Bundesregierung habe das Wachstumspotenzial des Gesundheitswesens in einer älter werdenden Gesellschaft erkannt, erklärte Yzer. Schon jetzt habe sich die Pharmaindustrie als "fester Anker" in der Finanz- und Wirtschaftskrise erwiesen.

Die medizintechnische Industrie setze auf mehr Wettbewerb und Eigenverantwortung sowie auf Deregulierung, erklärte der Geschäftsführer und Mitglied des Vorstands des BVMed, Joachim M. Schmitt. Die Branche erwarte sich mehr Spielräume für die Krankenkassen, mehr Zusatz- und Wahlleistungen sowie die Möglichkeit, dass Patienten die Zusatzkosten innovativer Produkte selbst bezahlen können. Die verzögerte Einführung von Innovationen in die Vergütungssysteme sei nach wie vor ein Problem, so Schmitt.

"Die Beschlüsse der neuen Bundesregierung für das Gesundheitswesen gehen in die richtige Richtung -hin zu mehr Markt und weg von einer Einheitsversorgung", sagte der Hauptgeschäftsführer des vbw, Bertram Brossardt. Zugleich kündigte er weiteren Widerstand gegen den "misslungenen" Gesundheitsfonds an, der die bayerischen Bürger massiv benachteilige.

"Wir setzen auf eine regionale Lösung mit einer Gesundheitsprämie in Höhe von etwa 125 Euro pro Kopf und einem sozialen Ausgleich über das Steuersystem", erklärte Brossardt. Dafür seien etwa 22 Milliarden Euro notwendig. Dabei müsse allerdings berücksichtigt werden, dass der Staat schon bisher 15 Milliarden Euro einzahle.

Reformbedarf besteht nach Ansicht des Bayreuther Gesundheitsökonomen Professor Volker Ulrich bei der Entkoppelung der Beitragssatzentwicklung von den Lohnnebenkosten und bei der Begrenzung der intergenerativen Umverteilung. Bei einer Neuordnung der Finanzgrundlagen der gesetzlichen Krankenversicherung müssten die Grundsätze der solidarischen Finanzierung beachtet werden, forderte Ulrich.

Der Koalitionsvertrag ist Thema einer Sonderausgabe der "Ärzte Zeitung" gewesen: www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/jahresendausgabe-2009/

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