Berufspolitik

Jugendliche saufen auch nach dem Koma munter weiter

Experten schlagen Alarm: Immer mehr Jugendliche trinken so viel Alkohol, dass sie ins Krankenhaus müssen. Werden sie entlassen, trinken sie weiter.

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Jugendliche saufen auch nach dem Koma munter weiter

© Foto: Yvonne Bogdanskiwww.fotolia.de

BERLIN. Klinikeinweisungen wegen Alkoholvergiftung wirken auf Jugendliche kaum abschreckend. Darauf weist eine Befragung des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) in Hannover unter 1168 Jugendlichen hin. Die Studie ist Teil des Krankenhaus-Reports 2009, den die Gmünder Ersatzkasse (GEK) und das ISEG am Dienstag in Berlin vorgestellt haben.

Rund 17 Prozent der Befragten gaben an, nach einer Krankenhauseinweisung wegen Alkoholvergiftung ihren Alkoholkonsum nicht geändert oder sogar noch gesteigert zu haben. 83 Prozent trinken eigenen Angaben zufolge zwar weniger, konsumieren aber immer noch erheblich häufiger und mehr Alkohol als Jugendliche mit gemäßigtem Alkoholkonsum.

Nach Angaben von Dr. Eva Maria Bitzer vom ISEG hat sich der Anteil der wegen Alkoholproblemen behandelten Jugendlichen von 2002 bis 2008 verdoppelt. Der drastische Anstieg lasse sich nicht allein dadurch erklären, dass Kliniken heute schneller in Anspruch genommen werden, so Bitzer. "Die Befragungsergebnisse belegen einen komplexen Trend." Vereinzelte gesetzgeberische Maßnahmen wie etwa die Alkopopsteuer könnten diesen Trend nicht umkehren. Auch GEK-Chef Dr. Rolf-Ulrich Schlenker bewertete Alkoholverbote in Innenstädten und Verkaufseinschränkungen an Tankstellen als wenig zielführend.

"Einseitige Verbotsstrategien helfen auf Dauer nicht weiter." Wichtiger seien zielgruppenorientierte Präventionsangebote. Für Alkoholiker gebe es dieses Angebot. "Bei Gelegenheits- und Freizeittrinkern passt das aber nicht", so Schlenker. Kommunen, Ärzte und Kassen müssten im Kampf gegen das Komatrinken zusammenarbeiten und eine nationale Aufklärungskampagne initiieren. Dass eine solche Kampagne Wirkung entfalte, habe die Kampagne "Runter vom Gas" auf Fern- und Landstraßen gezeigt. (hom)

Lesen Sie dazu auch: GEK sagt Komatrinken den Kampf an

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