Berufspolitik

KBV stellt Bedeutung des Wirkstoffkatalogs heraus

BERLIN/NEU-ISENBURG (bee). In der Diskussion um den Medikamentenkatalog hat die KBV klargestellt, dass es sich nicht um eine "Positivliste" handelt.

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Seit bekannt ist, dass das Modellprojekt von KBV und ABDA ins Versorgungsstrukturgesetz aufgenommen werden soll, seien die Begriffe "Positivliste" und "Medikamentenkatalog" falsch verwendet worden, so die KBV in einer Pressemitteilung.

Bei dem Modell soll vor allem die mangelnde Compliance von Patienten, die mehr als fünf Wirkstoffe einnehmen müssen, verbessert werden.

Der Arzt verordnet einen Wirkstoff, der Apotheker wählt das Präparat aus. Laut KBV sollen mit dem Projekt schon 2014 rund 2,1 Milliarden Euro eingespart werden.

Der Medikamentenkatalog gebe "einen Behandlungskorridor vor und ist eine Art Leitplanke, den der Arzt bezüglich einer (...) Versorgungsentscheidung unterstützen soll". Durch den Katalog finde "keine Kompetenzerweiterung für den Apotheker statt", so die KBV in der Mitteilung.

Bereits Ende August erklärte der KBV-Vorstand Dr. Carl-Heinz Müller im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" die Wirkungen des Modells: Jede Arztpraxis sollte über alle Verordnungen hinweg eine Quote von 80 Prozent Leitstoffe und 20 Prozent Reservestoffe einhalten.

"Damit hätte ich absolut im Griff, dass die Ausgaben nicht steigen können", sagte Müller mit Blick auf das Thema Regresse.

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Kommentare
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Dr. Thomas Georg Schätzler

KBV-"Wirkstoffkatalog" zusätzliche Krankheit?

Warum kann die KBV nicht zugeben, dass ihr in Kohabitation mit dem ABDA heimlich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit geborenes Kind mit dem Namen "Modellprojekt Wirkstoffkatalog" niemals Laufen lernen wird. Es war doch voraussehbar, dass es mit den Schimpfworten "Positivliste" oder "Medikamentenkatalog" gehänselt würde.

Mir kommen allerdings die Tränen, wenn ich höre: "Bei dem Modell soll vor allem die mangelnde Compliance von Patienten, die mehr als fünf Wirkstoffe einnehmen müssen, verbessert werden." K o n k r e t, lieber Herr Kollege Müller, da Sie ja schon längere Zeit keine Rezepte mehr ausgestellt haben, nehmen wir doch mal Ramipril/HCT, Metoprolol, Simvastatin, Amlodipin und ASS 100. Bei diesen 6 Wirkstoffen in 5 Packungen, vom Arzt blanco verordnet, wählt der Apotheker die zugehörigen Präparate aus. Dies bedeutet für den Patienten bis zu z w a n z i g (20) verschiedene Verpackungen, Logos, Herstellernamen, Reimporte, Distributoren in 4 Quartalen eines einzelnen Jahres. Da haben sich Rabattverträge, Listenpreise, Angebote des Pharmagroßhandels, Vertriebswege, Marktverfügbarkeit ständig verändert, so dass der Apotheker für Stetigkeit und Achtsamkeit in seiner "Beratung" gar keine Zeit hat.

Die Compliance der Patienten wird mit diesem von Ihnen im Elfenbeinturm von KBV und ABDA ausgeheckten „Wirkstoffkatalog-Modell“ fürs Versorgungsstrukturgesetz geradezu auf den Kopf gestellt. Sie entwickeln damit eine zusätzliche Krankheit, wo wir Hausärztinnen und Hausärzte doch die bestehenden Erkrankungen unserer Patienten zu heilen versuchen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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