Berufspolitik

KV Hamburg wettert gegen Umverteilung

Die KV-Spitze in Hamburg ist auf Krawall gebürstet. Ob die Basis ihren Unmut versteht, ist ungewiss. Sie fürchtet, dass eine aus Westfalen-Lippe geforderte Honorarumverteilung zu Hamburgs Lasten geht.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 26.09.2011, 17:11 Uhr

HAMBURG. Unkollegial, unanständig, unter der Gürtellinie: Wer unter Hamburgs Ärztefunktionären in diesen Tagen etwas über Dr. Axel Dryden erfahren möchte, erhält ein einseitiges Bild.

Der KV-Chef von Westfalen-Lippe ist derzeit Feindbild Nummer eins, weil er eine Honorarangleichung für die Ärzte im Westen aus den Töpfen anderer KVen finanzieren will. Dabei soll er empfohlen haben, das Geld bei den "reichen Hamburgern" zu holen.

Die hanseatischen Ärztefunktionäre schäumten über Drydens Stoßrichtung so sehr, dass auf der jüngsten Vertreterversammlung schon ein Abgesang auf das System angestimmt wurde.

Bereicherung in Westfalen-Lippe auf Kosten Hamburgs?

Dr. Dirk Heinrich sagte: "Wenn das KV-System nur noch Selbstbedienung beinhaltet, ist es am Ende." Die Hamburger sind erbost, dass Dryden seine Ärzte auf ihre Kosten bereichern will, statt den unbequemen Weg über die Krankenkassen zu gehen.

Zugleich fehlt ihnen jedes Verständnis, dass ausgerechnet Hamburg erneut finanzielle Opfer bringen soll - denn in den vergangenen vier Jahren haben die Ärzte in der Hansestadt nach Berechnungen ihres Vorstands insgesamt 50 Millionen Euro unter den bundesdurchschnittlichen Anpassungen gelegen.

Mit den derzeit geplanten Regelungen des Versorgungsstrukturgesetzes befürchten sie, dass sie weitere Verluste in ähnlicher Größenlage verkraften sollen - aber nicht können.

Aktion "Hamburg geht baden"

Denn die zugezogenen Spezialärzte, die zahlreiche Patienten aus dem Umland mitversorgen, mussten aus den Honoraren der Versorgerpraxen mitfinanziert werden. Weitere Einbußen, befürchten die Vertreter, werden zu Versorgungslücken führen.

In zwei einstimmig verabschiedeten Resolutionen forderten sie ein Ende der Umverteilungsdiskussion und beschlossen öffentlichkeitswirksame Aktionen unter dem Motto "Hamburg geht baden".

Wie das im Detail aussehen wird, bereitet den Verantwortlichen Kopfzerbrechen - denn die komplexen Probleme und deren Auswirkungen sind nach ihrer Beobachtung an der Basis noch gar nicht angekommen.

Jetzt wird an einfachen Botschaften gefeilt, die auf den Honorarverlust und Folgen wie längere Wartezeiten abzielen.

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