Chef der KV Saarland

Keine Lust auf KBV-Spitzenposten

Kein Wechsel nach Berlin: Der Chef der KV Saarland will nicht für den KBV-Vorstand kandidieren. Er geht auch nach den Vorstandswahlen von anhaltendem Unfrieden in der KBV aus - und fürchtet um den Verlust des "Ärztlichen" in den Gremien.

Von Andreas Kindel Veröffentlicht:
Einige würden ihn gerne an der KBV-Spitze sehen: Dr. Gunter Hauptmann.

Einige würden ihn gerne an der KBV-Spitze sehen: Dr. Gunter Hauptmann.

© KV / Kaiser

SAARBRÜCKEN. Der saarländische KV-Chef Dr. Gunter Hauptmann wird bei der Nachwahl der KBV-Spitze Ende Februar in Berlin nicht für einen Vorstandsposten kandidieren. "Ich stehe auf keinen Fall zur Verfügung", sagte der 57-jährige Gynäkologe am Mittwochabend bei der Vertreterversammlung in Saarbrücken.

Seine Entscheidung stehe "definitiv fest". Auch wenn ein dritter Vorstandsposten an der KBV-Spitze geschaffen werde, wechsle er nicht nach Berlin.

Anfang des Jahres hatte Hauptmann seinen Hut noch in den Ring geworfen. Doch bei einer Vor-Abstimmung unter den Fachärzten unterlag er dem Düsseldorfer Orthopäden und Unfallchirurgen Dr. Andreas Gassen. Damals - so Hauptmann - habe man sich versprochen, dass der Unterlegene den Gewinner unterstützt.

"Ich halte mich an meine Zusage", versicherte nun der Saarländer. Allerdings wurde Hauptmann offenbar auch nach der Abstimmung immer wieder gefragt, ob er nicht doch an die KBV-Spitze wolle.

Jetzt sieht es eher nach Rückzug aus. Hauptmann kündigte an, sich zumindest aus einzelnen Gremien der KBV zurückzuziehen. "Ich werde mich ganz auf meine Arbeit im Saarland konzentrieren", sagte er unter dem Applaus der Vertreter.

Beim Streit in der KBV ist für ihn noch kein Ende in Sicht. "Der Unfrieden wird weiter zunehmen", glaubt Hauptmann. "Das wird sich auch nach der Nachwahl nicht auflösen."

Der Gynäkologe fürchtet, dass das Ärztliche in den KV-Gremien bundesweit immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Kritisch sieht er, dass andernorts nicht mehr Ärzte, sondern Verwaltungsfachleute und Juristen an der KV-Spitze stehen.

Hecken lobt Hauptmann als "absolut uneitel"

Sein KV-Vize an der Saar, der Hausarzt Dr. Joachim Meiser, pflichtete ihm bei: "Wenn wir nicht wiedergewählt werden, können wir in den Beruf zurück. Das kann ein Verwaltungsmann nicht." Der Freisener Allgemeinmediziner Klaus-Peter Dausend schlug vor, die KV-Spitzen per Urwahl von allen Ärzten bestimmen zu lassen.

Manch einer hatte gehofft, mit Hauptmann in der KBV-Spitze könnte der Streit dort möglicherweise beigelegt werden. Denn an der Saar war er als Quereinsteiger ohne lange Funktionärskarriere 2005 an die Spitze der KV gewählt worden und hatte sich rasch über die Ärztegruppen hinweg viel Anerkennung erarbeitet.

2010 wurde er fast einstimmig im Amt bestätigt. Auch mit den Medien versteht der 57-Jährige umzugehen. Im Regionalfernsehen ist er regelmäßig präsent, vertritt die Sache der Ärzte. Auch als Abrechnungsaffären die Schlagzeilen beherrschten, stand er den Journalisten Rede und Antwort.

Sein konsequentes Vorgehen in den Betrugsfällen brachte ihm 2011 die "Goldene Ente" der saarländischen Parlamentsjournalisten ein - ein Preis für Personen des öffentlichen Lebens, die besonders gut mit Medien umgehen.

Der heutige Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken, bezeichnete ihn damals in seiner Laudatio als "mutig, kompetent und absolut uneitel". Das wären auch keine schlechten Eigenschaften für einen KBV-Vorsitzenden.

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