Kinderwunsch: Bund soll ein Viertel der Kosten tragen

Mecklenburg-Vorpommern legt im Bundesrat ein "Kinderwunsch-Förderungsgesetz" vor. Der Bund soll - zusätzlich zum 50-Prozent-Anteil der Krankenkassen - ein Viertel der Kosten für die betroffenen Paare übernehmen.

Veröffentlicht:
Die Kinderwunsch-Behandlung, hier eine menschliche Eizelle, wird seit dem Jahr 2004 nur noch anteilig von den Krankenkassen bezahlt.

Die Kinderwunsch-Behandlung, hier eine menschliche Eizelle, wird seit dem Jahr 2004 nur noch anteilig von den Krankenkassen bezahlt.

© dpa

BERLIN (fst). Der Bund soll 25 Prozent der Kosten für eine Kinderwunsch-Behandlung übernehmen, sodass der finanzielle Eigenanteil der Paare von 50 auf 25 Prozent sinkt. Dies sieht ein Gesetzentwurf Mecklenburg-Vorpommerns vor, den die Landesregierung im Bundesrat eingebracht hat. Er kann frühestens am 23. September im Plenum der Länderkammer beraten werden.

Die Erfüllung eines Kinderwunsches solle "nicht länger von der Vermögens- und Einkommenssituation der betroffenen Paare abhängig sein", heißt es in dem Antrag. Zusätzlich zum 50-prozentigen Zuschuss von den Kassen soll der Bund den Kassen weitere 25 Prozent der Kosten erstatten.

Seit 2004 müssen Paare die Hälfte der Kosten für eine Kinderwunsch-Behandlung selber tragen. 50 Prozent der Kosten übernehmen die gesetzlichen Kassen für die ersten drei Behandlungszyklen - wenn die Frau nicht älter als 40 Jahre ist. Der Eigenanteil der Paare beträgt bei den ersten drei Versuchen im Durchschnitt 4800 Euro.

Paare mit Kinderwunsch nehmen nach einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung deutlich seltener als in anderen EU-Staaten reproduktionsmedizinische Hilfe in Anspruch. So würden beispielsweise in Dänemark 4,2 Prozent aller Kinder nach einer IvF geboren, in Deutschland seien es 1,65 Prozent.

Sachsen zahlt Pauschalen

Im Jahr 2008 war bereits ein Vorstoß Saarlands, Sachsens und Thüringens im Bundesrat gescheitert. Die Länder hatten sich dafür ausgesprochen, dass die künstliche Befruchtung wieder vollständig von den Kassen gezahlt wird. Unterdessen haben Sachsen und Sachsen-Anhalt eigene Landesförderprogramme aufgelegt, durch die Paare finanzielle Unterstützung erhalten können.

Sachsen zahlt für den zweiten und dritten Behandlungzyklus eine Pauschale von bis zu 900 Euro, für die vierte Behandlung wird ein Zuschuss von 1600 bis 1800 Euro gezahlt.

Das IGES-Institut hat im Jahr 2009 in einer vom Unternehmen Merck in Auftrag gegebenen Studie berechnet, dass - je nach Szenario - jährlich bundesweit zwischen 4300 bis 7900 Kinder zusätzlich geboren werden könnten, wenn die Kassen die Kosten so übernehmen würden, wie das bis 2003 der Fall gewesen ist. Die Kosten für den Bundeshaushalt würden nach Berechnungen von IGES je nach Szenario 41 bis 85 Millionen Euro pro Jahr betragen

Mehr zum Thema

„Linke Tasche, rechte Tasche“

Labore kritisieren Honorarbeschluss als unfair

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Weniger Rezidive

Hustenstiller lindert Agitation bei Alzheimer

Lesetipps
Experten fordern von Bund und Ländern verbindliche Vorgaben für die Kooperation von Rettungsleitstellen (Bild) und ärztlichem Bereitschaftsdienst.

© Heiko Rebsch / dpa / picture alliance

Reform des Rettungsdienstes

Bereitschaftsdienst und Rettungsleitstellen sollen eng aneinanderrücken

Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung steht in vielen Ländern vor großen Herausforderungen. Ein Arzt aus Israel fordert deshalb mehr Zusammenarbeit.

© Vladislav / stock.adobe.com

Weiterentwicklung der Versorgung

Experte: Bei der Transformation international die Kräfte bündeln!

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen forderte am Mittwoch beim Gesundheitskongress des Westens unter anderem, die dringend notwendige Entbudgetierung der niedergelassenen Haus- und Fachärzte müsse von einer „intelligenten“ Gebührenordnung flankiert werden.

© WISO/Schmidt-Dominé

Gesundheitskongress des Westens

KBV-Chef Gassen fordert: Vergütungsreform muss die Patienten einbeziehen