Kommentar

Kleines Karo, viele Kommissionen: Ein Politikstil, der an seine Grenze kommt

Die jüngsten Konflikte um GKV-Finanzen und Pflege machen deutlich, dass sich Politik nicht in Kommissionen und Ausschüssen auflösen lässt. Irgendwann sind Entscheidungen nötig. Auch der Kanzler wird ungeduldig.

Florian StaeckEin Kommentar von Florian Staeck Veröffentlicht:
Kanzler und Regierung im Fokus: Blick in den Deutschen Bundestag bei der Sitzung am 17. Dezember.

Kanzler und Regierung im Fokus: Blick in den Deutschen Bundestag bei der Sitzung am 17. Dezember.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Zwei Vorgänge, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, treiben Gesundheits- und Pflegepolitiker seit Tagen um: Zum einen haben sich Bund und Länder in einem finalen Kraftakt auf ein kleines Sparpaket verständigt, das die Gesetzliche Krankenversicherung mit knapp zwei Milliarden Euro im kommenden Jahr stützen soll.

Zum anderen hat die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Zukunft der sozialen Pflegeversicherung einen Bericht vorgelegt, von dem sich die Koalition eigentlich einen Wegweiser für künftige Reformen erwartet hatte. Der AOK-Bundesverband kommentierte treffend, es handele sich um eine „Roadmap ins Nirgendwo“.

Die Kritik an der Expertise, die im kleinen Karo verharrt, fiel breit aus. Ihr hat sich am Mittwoch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angeschlossen. Gerade noch formwahrend sprach er von einem „nicht befriedigenden Ergebnis“.

Lesen sie auch

Wer will, kann darin auch eine Watsche für Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) herauslesen. Klar ist seine Botschaft: Zurück auf Los. Man werde 2026 „über die Zukunft der Pflegeversicherung ausführlich zu beraten haben“.

„Ausführlich“ bedeutet in diesem Fall: In einem anderen Politikmodus. Denn beiden Beispielen ist gemeinsam, dass dort versucht wurde, den Kern des politischen Konflikts durch Kommissionen und Denkschleifen wie den Vermittlungsausschuss zu entschärfen – bis er irgendwie leichter handhabbar wird.

Gewiss: Kluge Gremien können helfen, Wissen aufzubereiten, Probleme zu strukturieren oder Lösungsoptionen zu vergleichen. Und ein Vermittlungsausschuss ist nichts anderes als eine Prozessschleife, um den politischen Prozess zu verlangsamen und Regelungsvorschläge gegebenenfalls neu zu bewerten.

Lesen sie auch

All dies ersetzt aber keine politischen Entscheidungen, also Festlegungen, die in ihren Konsequenzen auch auf den Amtsinhaber zurückschlagen können. Kein Wunder, dass der Bundeskanzler mit dem Politikstil von Nina Warken offenbar Probleme hat.

Mit der bisherigen Kommissionitis wird die Koalition die massiven Herausforderungen in Gesundheit und Pflege nicht bewältigen können. Nötig ist ein neuer Modus der Entscheidungs- und vielleicht auch der Experimentierfreude. Friedrich Merz hat die Latte höher gelegt. Ob Nina Warken da mitgehen kann?

 Ja
Nein
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Klamme Kassen, gestresste Versorger: Gaß und Gassen fordern Reaktionen

„Kontaktgebühr“ beim Arztbesuch und Zuzahlungen in der Klinik

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Zum Jahresstart

Das ändert sich 2026 für Praxen

Lesetipps
Eine ältere Frau ist gestürzt und liegt auf dem Boden.

© Rawpixel.com / stock.adobe.com

Gebrechliche Patienten

Hüft-Operation bei Herzpatienten: Wie sich Risiken minimieren lassen

Ein Arbeiter formt ein Metallschild mit der Aufschrift 2026

© flashmovie / stock.adobe.com

Neuerungen

Das gilt 2026 bei Abrechnung und Honorar