Berufspolitik

Klinikärzte geben Warnschuss nach Berlin ab

Goldene Patientenbetten wollen sie nicht - aber vernünftige Klinikfinanzen. Die Klinikmitarbeiter in Nordrhein-Westfalen fürchten um ihre Arbeitsplätze und gehen auf die Barrikaden. Notfalls wollen sie ihren Protest bis zum Brandenburger Tor tragen.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Protest in Düsseldorf: Rund 3500 Klinikmitarbeiter fürchten den "Jobkiller Gesundheitspolitik".

Protest in Düsseldorf: Rund 3500 Klinikmitarbeiter fürchten den "Jobkiller Gesundheitspolitik".

© Schlingensiepen

DÜSSELDORF. Die Krankenhäuser wollen keine Versprechungen, sie wollen Taten sehen und zwar schnell. Schafft die Bundesregierung nicht kurzfristig die gesetzliche Grundlage für den Tarifausgleich, werden sich die Kliniken öffentlichkeitswirksam wehren.

"Dann werden wir uns wie damals am Brandenburger Tor wiedersehen", kündigt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Georg Baum an.

Im September 2008 hatten 130.000 Klinikmitarbeiter aus ganz Deutschland in Berlin gegen die Krankenhauspolitik demonstriert.

In Düsseldorf machen 3500 Mitarbeiter aus nordrhein-westfälischen Krankenhäusern schon einmal deutlich, dass auch sie keine Lust mehr haben, still zu halten.

Sie sind auf Einladung der Landeskrankenhausgesellschaft (KGNW) in die Mitsubishi Electric Halle - die ehemalige Philipshalle - gekommen, um der Bundesregierung die rote Karte zu zeigen.

Die jüngsten Tarifabschlüsse reißen nach Angaben der DKG eine Finanzlücke von einer Milliarde Euro in die Klinikfinanzen.

Vage Antworten von NRW-Politikern

"Das ist hoffentlich nicht nur ein Signal nach Berlin, sondern auch ein Warnschuss, der dort wahrgenommen wird", sagt Baum. Er zeige, dass hinter den DKG-Forderungen Menschen stehen, die bereit sind, für ihre Belange einzutreten.

Die Veranstaltung "Jobkiller Gesundheitspolitik" sei auch Ausdruck der Solidarität gegenüber 6000 Klinikbeschäftigten in NRW, deren Arbeitsplätze zurzeit bedroht sind, sagt KGNW-Geschäftsführer Matthias Blum.

"Wir sind heute hier, weil wir eine nachhaltige Finanzierung für die Krankenhäuser benötigen, um Ihre Arbeitsplätze dauerhaft für die Patientenversorgung zu sichern."

Die politisch Verantwortlichen in Berlin müssten endlich Farbe bekennen. Aber Blum nimmt auch die Landespolitiker in die Pflicht, schließlich ist in NRW Wahlkampf.

Die KGNW hat die Spitzenkandidaten der Parteien zu den Forderungen der Kliniken befragt. Erhalten hat sie freundliche, aber vage Antworten.

"Unser Anliegen für die Patientinnen und Patienten und für die sie versorgenden Beschäftigten in den Krankenhäusern in NRW hätte mehr Anerkennung und Unterstützung verdient."

Kränker aus dem Krankenhaus

Die Pflegeleitungen in den Kliniken seien zu den Sparfüchsen der Nation geworden, beklagt Ludger Risse, Vorsitzender des Pflegerates NRW. "Aber zu einem hohen Preis, und dieser wird immer höher."

Immer weniger Pflegepersonal müsse immer mehr Patienten versorgen, die Unzufriedenheit mit dem Beruf nehme zu.

"Diejenigen, die darüber nachdenken, den Überschuss von 20 Milliarden Euro an die Versicherten zurückzugeben oder bei den Krankenkassen zu belassen, nehmen es gleichzeitig in Kauf, dass es als Folge Menschen gibt, die unterversorgt sind und die kränker und pflegebedürftiger entlassen werden, als es bei fachlich einwandfreier Pflege erreichbar wäre", empört sich Risse.

Weitere Stellenkürzungen, eine weitere Verdichtung der Arbeitsleistung in den Kliniken seien nicht leistbar, sagt auch Professor Heribert Jürgens, Direktor der Kinderkrebsklinik an der Uniklinik Münster.

"Wir verlangen und fordern doch nichts Ungebührliches, keine Traumschlösser, keine goldenen Patientenbetten, keine luxuriösen Arbeitssuiten", betont Jürgens.

"Was wir einfordern, ist Respekt, Anerkennung, Wertschätzung, Gerechtigkeit - auch abgebildet als gerechtes Entgelt für die erbrachte Leistung."

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