Versorgungssituation

Krankenhäusern fehlen wichtige Arzneimittel

Immer wieder wird über Lieferengpässe bei Arzneimitteln berichtet. Doch wie steht es tatsächlich in der Praxis um die Versorgungssituation? Aussagen auf einer Pressekonferenz erhärten den Grund zur Sorge.

Veröffentlicht: 08.03.2017, 13:20 Uhr
Krankenhäusern fehlen wichtige Arzneimittel

Immer häufiger fehlt es in Krankenhäusern offensichtlich an wichtigen Arzneimitteln.

© DOC RABE Media / stock.adobe.com

BERLIN. Die Arzneimittelversorgung in Krankenhäusern ist alarmierend, so ein Fazit auf der heutigen Pressekonferenz in Berlin, zu der die AOK Baden Württemberg eingeladen hatte. Allein im Februar waren 280 Medikamente vorübergehend nicht verfügbar. 30 davon sind für eine adäquate Therapie von Patienten essenziell, ihr Fehlen also versorgungskritischer Natur, so das Ergebnis einer Umfrage unter Klinikapotheken.

Bei lediglich 8 der 30 Wirkstoffe sei der Mangel von den Herstellern an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gemeldet worden, klagte Rudolf Bernard, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA). "Hier werden drei Probleme offensichtlich: Es fehlen für die Versorgung in der Klinik wichtige Arzneimittel, es wird von den Verantwortlichen nicht transparent gemacht und das Ganze hat keinerlei Konsequenzen für die Hersteller. So geht das nicht weiter."

Professor Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft wollte zwar keine direkten Schuldzuweisungen machen, aber: "Das Problem muss analysiert und nachhaltig behoben werden." Das bisher geltende Prinzip der Freiwilligkeit bei der Meldung von Versorgungsengpässen werde zudem von den Herstellern ausgenutzt.

Dr. Christopher Hermann, AOK-Chef aus Baden-Württemberg sieht ebenfalls die Pharmaunternehmen in der Pflicht. Es sei ein guter Ansatz, dass diese mit dem Arzneimittelversorgungsstruktur-Gesetz (AMVSG) verpflichtet werden, Engpässe an Krankenhausapotheken zu melden. "Besser wäre aber eine Pflicht zur Meldung an das BfArM", betont er. Ideal wäre auch ein "Trustcenter" zur Vermeidung von Lieferengpässen.

Grundsätzlich wurde beklagt, dass trotz des hohen Digitalisierungsgrades der Lieferkette von Arzneimitteln, deren Lieferfähigkeit eine Art Black Box sei. Niemand könne mit Sicherheit sagen, welche und wie viele Packungen eines wichtigen Arzneimittels bei Herstellern, Großhandel, Klinik- oder Offizinapotheken wo in Deutschland tatsächlich vorhanden seien. (af/run/dpa)

Mehr zum Thema

Spinale Muskelatrophie

Zolgensma®: EU-Zulassung empfohlen

Zollstatistik

Globaler Handel mit gefälschten Pharmazeutika boomt

Spahn zu Arzneimittel-Engpass

Ärzte sollen Paracetamol nur noch restriktiv verordnen!

Kommentare
Peter Styp-Rekowsky

Versorgungskritischer Natur?

Ohne Nennung der angeblich "versorgungskritischen" Präparate ist der Artikel ziemlich inhaltsleer.
Für die meisten Präparate gibt es Alternativen.
Also bitte zuerst einmal Ross und Reiter nennen. Dann kann man auch substantiell diskutieren.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Plasmaspende als Therapie bei COVID-19?

Studie mit schwer Erkrankten

Plasmaspende als Therapie bei COVID-19?

Was die Corona-Pandemie für Krisenregionen bedeutet

„ÄrzteTag“-Podcast

Was die Corona-Pandemie für Krisenregionen bedeutet

Warum die Krebsrate bei jungen Menschen steigt

Präventionsdefizit

Warum die Krebsrate bei jungen Menschen steigt

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden