78 Kassen im Beitragscheck

So hoch sind die Krankenkassen-Beitragssätze 2021

Die Krankenkassen bleiben teilweise auf den Pandemie-Kosten sitzen, Reformgesetze treiben die Ausgaben nach oben: Etliche Kassen reagieren und heben mitunter kräftig ihre Zusatzbeiträge an. Wir unterziehen 78 Kassen einem Beitragscheck.

Von Florian StaeckFlorian Staeck und Thorsten SchaffThorsten Schaff Veröffentlicht:
Mehrausgaben und Pandemie-Kosten machen bei vielen Krankenkassen steigende Zusatzbeiträge für 2021 erforderlich.

Mehrausgaben und Pandemie-Kosten machen bei vielen Krankenkassen steigende Zusatzbeiträge für 2021 erforderlich.

© Setareh / stock.adobe.com

Berlin. Ab Januar wird die Coronavirus-Pandemie für die GKV-Mitglieder auch im Geldbeutel sichtbar. Noch haben die Verwaltungsräte einiger großer Krankenkassen keine Entscheidung getroffen, doch vielerorts muss der Zusatzbeitrag angehoben werden. Andere, bislang überwiegend kleinere Kassen können ihren diesjährigen Zusatzbeitragssatz halten – wie lange, ist unklar.

Zur Erinnerung: Der Schätzerkreis beim Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) hatte im Oktober empfohlen, den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz um 0,2 Punkte auf 1,3 Prozent zu erhöhen. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ist dieser Empfehlung Ende Oktober gefolgt.

Die Crux mit der „Sozialgarantie“

Die Festlegung im BAS fiel gegen die Stimmen des GKV-Spitzenverbands – die Kassen hatten für eine Anhebung auf 1,4 Prozent votiert: BMG und BAS gehen im kommenden Jahr von GKV-Ausgaben von 274,9 Milliarden Euro aus, der Kassenverband von 276,6 Milliarden.

Allerdings hätte die Koalition bei einer Anhebung auf 1,4 Prozent nicht mehr ihre Selbstverpflichtung („Sozialgarantie“) halten können, wonach die Summe der Sozialbeiträge die Marke von 40 Prozent nicht übersteigen soll. Mit anderen Worten: Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz ist ein politischer Wert.

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Ob die Kassen, die die Höhe ihres Obolus unverändert lassen, diesen das ganze Jahr 2021 durchhalten können, ist ungewiss. Auch ohne die Pandemie kommen die Kassen zunehmend unter Druck: Die Flut an Gesetzen aus dem Hause Spahn zieht über die Jahre gesehen Mehrausgaben im zweistelligen Milliardenbereich nach sich.

Zugleich werden Rücklagen der Kassen systematisch geschröpft. Schon vor der Pandemie hatte das BMG Kassen mit hohen Rücklagen gezwungen, schrittweise finanzielle Reserven abzuschmelzen.

Reserven werden abgeschöpft

Mit dem Versorgungsverbesserungsgesetz ist dieser Kurs nochmals massiv verschärft worden: Allein die Techniker Kasse muss demnach rund 1,4 Milliarden Euro aus ihren Rücklagen an den Gesundheitsfonds abführen, die Mitglieder der AOK-Familie sollen zusammen mit als vier Milliarden Euro aufbringen. Der Blick auf die fünf größten Kassen:

Die Techniker Krankenkasse erhöht den Zusatzbeitrag um 0,5 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent. Das gab der Branchenführer mit rund 10,6 Millionen Versicherten am Donnerstag nach der Sitzung des Verwaltungsrats bekannt. Der Beitragssatz beträgt im neuen Jahr somit 15,8 Prozent.

Auch die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands schraubt am Beitragssatz: Die Barmer mit ihren knapp neun Millionen Versicherten erhöht den Zusatzbeitrag 2021 um 0,4 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent. Der neue Beitragssatz beträgt somit 16,1 Prozent.

Eine Reihe mitgliederstarker Kassen lässt den Zusatzbeitrag zu Jahresbeginn unverändert. Dazu gehört auch die Nummer 3 im Markt, die DAK-Gesundheit mit rund 5,6 Millionen Versicherten. Der Obolus bleibt bei 1,5 Prozent (insgesamt 16,1 Prozent). Zu den Gründen, die dies möglich machen, gehörten „erfolgreiche Restrukturierungs-Maßnahmen“ oder der neue Risikostrukturausgleich.

Bei der AOK Bayern beträgt der Zusatzbeitrag weiterhin 1,1 Prozent. Damit liegt der Beitragssatz wie im Jahr 2020 bei 15,7 Prozent.

Die AOK Baden-Württemberg hebt den Obolus um 0,2 Punkte auf 1,1 Prozent an. Drei Jahre war der Zusatzbeitrag stabil geblieben, für 2019 wurde er sogar leicht gesenkt. „Die wiederholte Missachtung der Finanzautonomie der Krankenkassen durch die Politik lässt immer weniger Spielraum für eine verantwortungsvolle und weitsichtige Finanzplanung“, kommentierte Peer-Michael Dick, alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrats. Betroffen sind rund 3,4 Millionen Mitglieder.

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