Facharzttermin

Lange Wartezeit nur ein Mythos

Die Koalition plant Terminservicestellen als Lösung für ein Problem, das es eigentlich gar nicht gibt: Diesen Schluss jedenfalls legt eine aktuelle Kassenstudie zu Wartezeiten beim Facharzt nahe.

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:
Die lange Wartezeit fängt nicht erst im Wartezimmer, sondern bereits bei der Terminvergabe an. Meint man. Eine aktuelle Studie zeichnet jetzt ein etwas anderes Bild.

Die lange Wartezeit fängt nicht erst im Wartezimmer, sondern bereits bei der Terminvergabe an. Meint man. Eine aktuelle Studie zeichnet jetzt ein etwas anderes Bild.

© Robert Kneschke / fotolia.com

DRESDEN. Knapp 60 Prozent der Patienten erhalten einen Termin bei einem Facharzt binnen zwei Wochen. Bei 14 Prozent dauert es zwei bis drei Wochen, weitere zehn Prozent der Patienten müssen sich drei bis vier Wochen gedulden.

Das geht aus einer repräsentativen Online-Befragung unter 1000 Bürgern ab 18 Jahre hervor, die im März im Auftrag der IKK classic befragt worden sind.

Die Kasse betont, gleichermaßen in der Stadt wie auf dem Land erhielten 60 Prozent der Umfrageteilnehmer binnen 14 Tagen einen Facharzttermin.

Drei Viertel erhalten ihren Wunschtermin

Für drei Viertel der Patienten entsprach der vergebene Termin ihrem Wunschtermin, heißt es in der Untersuchung "Arztsuche und Arztauswahl 2015".

Die große Koalition will im Rahmen des Versorgungsstärkungsgesetzes verpflichtend Terminservicestellen bei den KVen etablieren.

Nun muss IKK classic-Vorstand Gerd Ludwig konstatieren: "In der Wahrnehmung der Bürger spielen Versorgungsengpässe oder Terminprobleme eine geringere Rolle als erwartet."

Regional variieren die Wartezeiten: In Hamburg erhielten 41 Prozent der Patienten binnen einer Woche einen Termin, niemand musste länger als acht Wochen warten.

Das ist im Osten anders: Dort mussten in Mecklenburg-Vorpommern 22 Prozent und in Brandenburg 18 Prozent länger als acht Wochen sich gedulden.

Zwar zeigt sich auch in der Kassen-Studie, dass bundesweit 48 Prozent der PKV-Patienten ihren letzten Facharzttermin nach einer Woche erhalten haben, bei den GKV-Patienten waren es 26 Prozent.

Doch der Zufriedenheitswert lag bei beiden Gruppen bei 75 Prozent, berichtet die IKK classic und kommentiert: "Der Vorteil der einen ist also nicht automatisch ein Nachteil für die anderen."

Räumliche Nähe spielt große Rolle

Für 72 Prozent der Befragten ist der Weg zu ihrem Hausarzt weniger als fünf Kilometer weit, bei weiteren 17 Prozent sind es fünf bis zehn Kilometer Entfernung.

Die räumliche Nähe ist auch das Top-Kriterium für die Auswahl des Hausarztes (43 Prozent). 40 Prozent der Teilnehmer berichteten, sie wären durch Empfehlung von Familie, Freunden oder Kollegen auf den Hausarzt gekommen.

Bei der Suche nach einem Facharzt verlassen sich 39 Prozent der Patienten auf die Empfehlung eines anderen Arztes. Fast ebenso viele fragen Familie, Freunde oder Kollegen um Rat (37 Prozent). Mehr als jeder Fünfte sucht auf Bewertungsportalen oder in Internetforen nach Ärzten (22 Prozent).

Bei den bis zu 30-Jährigen galt dies sogar für 35 Prozent. Immerhin noch neun Prozent der Teilnehmer gaben an, sie griffen zu den Gelben Seiten, um einen Facharzt zu finden.

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