Berufspolitik

Lange Wartezeiten laut BÄK die Ausnahme

Veröffentlicht:
BÄK-Vize Montgomery - hält von einem Terminmanagement durch die Kassen "überhaupt nichts".

BÄK-Vize Montgomery - hält von einem Terminmanagement durch die Kassen "überhaupt nichts".

© dpa

BERLIN (sun/hom). Lange Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt sind nach Ansicht von Bundesärztekammer-Vize Dr. Frank-Ulrich Montgomery eher die Ausnahme.

"Es gibt sehr viele Fachrichtungen und sehr viele Kollegen, bei denen bekommen Patienten sehr schnell einen Termin", sagte Montgomery am Donnerstag in Berlin.

"Überhaupt nichts" halte er davon, die Wartezeiten durch ein Terminmanagement der Krankenkassen auf maximal drei Wochen beschränken zu wollen.

Montgomery wies damit Forderungen des gesundheitspolitischen Sprechers der Unions-Fraktion, Jens Spahn, zurück. Dieser hatte in einem Papier, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt, seine Vorschläge zur Verkürzung von Wartezeiten auf einen Facharzttermin weiter konkretisiert.

Spahn will die Kassen daher dazu verpflichten, für ihre Versicherten ein Terminmanagement anzubieten. Manche Kassen böten dies "bereits seit einiger Zeit sehr erfolgreich an". Die SPD nannte den Vorschlag zu kurz gegriffen.

Laut Spahn setzt der Zwang zur Pauschalierung in der fachärztlichen Vergütung bei der Terminvergabe falsche Anreize. Nicht der Patient, der viel Unterstützung benötige, sei finanziell attraktiv für den Arzt, sondern derjenige, "der möglichst jedes Quartal exakt einmal kurz zum Check kommt".

Eine Honorarreform müsse dies gerade rücken. Zudem präzisierte Spahn seine Pläne, Drei- und Vierbettzimmer aus den Kliniken verbannen. Klinikvertreter reagierten zurückhaltend.

Lesen Sie dazu auch: Spahn will Abzüge bei Dreibett-Zimmern in Kliniken

Mehr zum Thema

Ärzte warnen

Omikron-Welle in NRW: „Es wird Einschränkungen geben“

Finanzspritze

Corona-Hilfen für Unikliniken in NRW

Schlagworte
Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Peter Friemelt

Wartezeiten sind Fakt, vor allem für GKV-Patienten

Selbst im sehr gut versorgten München gibt es oft lange Wartezeiten. Je weiter man aufs Land geht, wirds bei Fachärzten immer schlimmer. Das sind keine Einzelfälle. Patientenvertreter in den Zulassungsausschüssen beklagen das schon lange.
Privatpatienten kriegen schneller Termine, Montgomery ist wohl kein GKV-Patient.

Bernhard Behrens

Unwahrscheinlich

In einer telefonisch nicht leicht erreichbaren Orthopädie-Praxis hat man mir am 13.2.2007 auf die Bitte um einen Termin erklärt, daß die nächsten Termine erst im April 2007 frei wären. Nun ist die Versorgung mit Orthopäden hier mit mehreren vertragsärztlichen Orthopäden sehr gut und so lange praktiziert der Betreffende auch noch nicht an der Stelle. Ich vermute daher, daß der Arzt hier seine maximal pauschal über die KV abrechenbare Summe erreicht hat und deshalb keine Termine mehr "frei" sind. Das Schöne daran ist, daß das natürlich niemand beweisen kann. Es ist einfach sehr unwahrscheinlich und unglaubwürdig, daß jemand nach knapp der Hälfte eines abgelaufenen Quartals für den Rest des Quartals völlig ausgebucht ist.

Claudia Liebram

Fremde Welten

Auf welchem Planeten lebt Dr. Montgomery eigentlich? Selbst in Großstädten wie Berlin berichten Patienten von Wartezeiten von vier Monaten, um mit ihren oft starken Schmerzen bei einem Rheumatologen vorstellig werden zu können. Bis dahin sind wertvolle Wochen und Monate für eine frühzeitige Behandlung vergangen - und die Gelenkzerstörung kann so lange auch munter voranschreiten. Herr Montgomery müsste nur mal einen Blick in Internetforen werfen, in denen die Betroffenen diese Wartezeiten schildern.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Nicht jeder führt sich den Beipackzettel gerne zu Gemüte. Ist aber doch wichtig zu wissen, wann ein Medikament kontraindiziert ist.

© Dan Race / stock.adobe.com

Unterschiedliche Fachinformationen

Oftmals abweichende Gegenanzeige trotz wirkstoffgleicher Arzneimittel

Die Frustration über die fehleranfällige Digitalisierung hat bei Ärztinnen und Ärzten im vergangenen Jahr zugenommen, zeigt das am Freitag veröffentlichte „Praxisbarometer Digitalisierung“ der KBV.

© baranq / stock.adobe.com

KBV-Praxisbarometer

Ärzte frustriert: Tägliche TI-Probleme in jeder fünften Praxis