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Frankfurter Forum

Lebensqualitätsdaten: eine zu selten genutzte Ressource

Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität werden bisher nicht systematisch für eine bessere Versorgung genutzt. Eine neue Publikation des "Frankfurter Forums" lotet die Perspektiven dieses Ansatzes aus.

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:

FRANKFURT/MAIN. Daten für die gesundheitsbezogene Lebensqualität zu erfassen, um die Versorgung von Patienten zu verbessern –  das ist ein anspruchsvolles und chancenreiches Konzept. Bisher werden solche Daten zu selten systematisch erfasst, um beispielsweise Informationen darüber zu erhalten, welche Patientengruppe unter Gesichtspunkten der Lebensqualität besonderen Anspruch auf Hilfe hat.

Das "Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen" hat in einer Tagung ausgelotet, welche Chancen dieses Konzept hat und welche Hindernisse seine Etablierung in der Versorgung bisher bremsen. Die Ergebnisse sind im neuen Heft des "Frankfurter Forums" zusammengetragen, das unter dem Titel "Lebensqualität und Versorgung: Messen, wägen, entscheiden" im Springer Medizin Verlag erschienen ist. Das Forum bringt zweimal jährlich Vertreter aus Wissenschaft, Ethik und Theologie mit Ärzten aus Klinik und Praxis an einen Tisch, um Zukunftsfragen einer älter werdenden Gesellschaft zu erörtern und über Lösungsansätze nachzudenken.

"Mit der Zunahme chronischer Erkrankungen stellt sich die Frage nach der Qualität des Lebens mit dauerhafter gesundheitlicher Einschränkung unterschiedlichen Schweregrades neu und auch anders als bisher", sagt Gudrun Schaich-Walch, stellvertretende Vorsitzende des Frankfurter Forums und ehemalige Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Es gehe darum, in welchen Versorgungssettings Beeinträchtigungen der Lebensqualität vermieden werden können, "ohne dass man der Utopie eines Paradieses auf Erden verfällt", sagt Dr. Jürgen Bausch, Vorsitzender des Forums, Kinderarzt und ehemaliger KV-Chef in Hessen.

Bei der Messung der Lebensqualität handelt es sich um ein deskriptives, schwer evaluierbares Konzept, dem ein normativer Rahmen, insbesondere im Sozialgesetzbuch V bisher überwiegend fehlt.

Besonders nachdrücklich stelle sich angesichts der oft schweren Nebenwirkungen von Therapien in der Onkologie die Frage nach der Lebensqualität. Zumal die zu erreichende Lebensverlängerung oft nicht sehr groß ist. "Hier scheint mir die systematische Erfassung von Lebensqualitätsdaten zwingend notwendig", erklärt Schaich-Walch.

Diskutiert werden in der Publikation Erhebung und Verwendung dieser Daten in der Onkologie und bei der Versorgung demenzkranker Menschen. Der Frankfurter Geriater und Psychiater Professor Johannes Pantel verweist auf die multidimensionalen Instrumente, um Lebensqualität zu messen, konstatiert aber auch: "Der Transfer der vorliegenden Evidenz in die Versorgungspraxis ist bislang unzureichend und noch lange nicht ausgeschöpft".

Aus juristischer Perspektive stellt Professor Thomas Gutmann, der an der Universität Münster Rechtsphilosophie und Medizinrecht lehrt, ein Ungleichgewicht fest: Die Methodik der Lebensqualitätsforschung habe sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Demgegenüber hinke die Diskussion darüber, welche normativen Bedeutungen dem Konzept der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zukommen, dieser Entwicklung hinterher, so Gutmann.

Seine wissenschaftliche Popularität bezieht die Messung gesundheitsbezogener Lebensqualität zum einen aus seiner Orientierung am Patienten, zum anderen aus seiner anti-paternalistischen Perspektive. Lebensqualitätsdaten seien eine gute Grundlage für Aufklärungsgespräche und eine Entscheidungshilfe für Patienten und Ärzte, sagt Schaich-Walch. "Dieser eingeschlagene Weg sollte abgesichert und fortgesetzt werden", fordert sie.

Die Publikationen des Frankfurter Forums sind online verfügbar unter:

http://frankfurterforum-diskurse.de

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