Hauptversammlung Hartmannbund

Mehr Kompetenzen für Apotheken? Warken und Reinhardt sind nicht gleichermaßen optimistisch

Zu Besuch bei der Hauptversammlung des Hartmannbundes: Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wirbt für mehr Kompetenzen nichtärztlicher Berufe. Der Vorsitzende Klaus Reinhardt bleibt reserviert.

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Wirbt für mehr Kompetenzen für Angehörige nichtärztlicher Berufe in der Pflege und in Apotheken: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU).

Wirbt für mehr Kompetenzen für Angehörige nichtärztlicher Berufe in der Pflege und in Apotheken: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU).

© Michael Kappeler/dpa

Berlin. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat Reformen und Bürokratieabbau im Gesundheitswesen angekündigt. Der Auftrag an die Politik sei, Strukturen so zu verändern, dass die Menschen ihre Ärzte seltener sähen, dafür aber zielgenauer behandelt würden, sagte sie bei der Hauptversammlung des Hartmannbundes am Freitag in Berlin. Übergeordnetes Ziel müsse sein, dass die einzelnen Berufsgruppen im Gesundheitswesen enger zusammenarbeiteten.

Dazu zählten die Befugniserweiterung und Entbürokratisierung für die Pflegeberufe, sagte die Ministerin, die demnächst im Bundestag verabschiedet werden solle. Sie plane zudem, den Apothekerinnen und Apothekern mehr Eigenständigkeit zu geben.

Prävention und Impfen in der Apotheke

Es sei wichtig, dass alle in einer solchen Neuorganisation die Potenziale erkennten. Apotheken könnten niedrigschwellig Menschen erreichen, die ansonsten nicht in die Arztpraxen fänden. Die Offizine könnten ihnen Präventionsangebote unterbreiten und Impfgelegenheiten bieten.

Sie wisse um die Kritik der Ärzteschaft daran, dass damit auch die Abgabe von Arzneimitteln ohne Rezept verbunden sein könne. Da gehe es um Ausnahmen bei dringenden Bedarfen von chronisch Erkrankten, es gehe um Folgemedikation mit der kleinsten Packungsgröße. „Ich glaube, das hilft Patientinnen und Patienten und greift nicht in die ärztliche Therapiehoheit ein“, sagte Warken. Die Aufregung darum sei gleichwohl sehr groß. Sie wolle die Ausnahmen gemeinsam mit der Ärzteschaft festlegen. Dies sei ein Angebot, in einen Dialog dazu einzusteigen.

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Menschen sollten die Gelegenheit haben, auch in Apotheken mit dem Thema Gesundheit in Kontakt zu kommen und zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten motiviert zu werden, drechselte der Vorsitzende des Hartmannbundes und Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt eine Replik.

Gelegentlich eine Impfung mit Totimpfstoffen in der Apotheke, könne er sich vorstellen, er wolle ja keinen „shit storm“ provozieren. Da es diese Angebote in Arztpraxen gebe, sei die Notwendigkeit, das Angebot der Apotheken in diese Richtung auszuweiten allerdings relativ.

Reinhardt: Habe Probleme bei Abgabe ohne Rezept

Wobei Apothekerinnen und Apotheker Hilfestellung leisten könnten, sei beim sicheren Arzneimitteltherapie-Management. „Da sind, glaube ich, genuine Kompetenzen vorhanden“, sagte Reinhardt, die, wenn sie denn vernünftig genutzt würden, eine echte Chance bieten könnten. Dies gelte zum Beispiel bei der Versorgung von älteren Patienten, die sich in der Apotheke ja auch mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneien versorgten, von denen die Ärzte oft nichts wüssten.

Probleme habe er bei der Abgabe ohne Rezept zum Beispiel von Antibiotika bei so genannten „unkomplizierten Harnwegsinfekten“. Dies sei im Lichte des Gedankens der Vermeidungsstrategien von Antibiotika-Resistenzen auch in Deutschland problematisch.

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Keine Neuigkeiten hatte Warken zum Thema GOÄ zu verkünden. Der Vorschlag von Bundesärztekammer und PKV-Verband und Beihilfe liege auf dem Tisch. Es sei klar, dass es sich dabei um einen Kompromiss sehr unterschiedlicher Partner handele. An den Verhandlungen dazu sei ein dritter Partner nicht beteiligt: nämlich das Versichertenkollektiv. Auch dessen Belange müssten berücksichtigt werden.

Es werde nun zunächst Gespräche im Ministerium auf Fachebene geben. Sie selbst nehme auch die Idee auf, künftig einen „Prozess der dauerhaften regelmäßigen Anpassung“ zu haben. Dazu gebe es aber noch einiges zu klären. Man müsse sich Zeit nehmen, sagte Warken. (af)

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