Mehr Zeit für Kinder - das wollen auch Ärzte

Der Arztberuf muss familienfreundlicher werden, um für junge Menschen attraktiv zu bleiben. Die Bundesärztekammer sieht vor allem die Klinikbetreiber in der Pflicht.

Von Annette Mende Veröffentlicht:
Ärztin und Mutter: Das darf kein Widerspruch sein.

Ärztin und Mutter: Das darf kein Widerspruch sein.

© Kurhan / fotolia.com

BERLIN. Kita-Plätze für den Nachwuchs der Angestellten, Teilzeitarbeit und flexible Dienstpläne - in vielen Kliniken sind solche Angebote noch Fehlanzeige. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf mahnt daher die Bundesärztekammer (BÄK) in ihrem Handbuch "Familienfreundlicher Arbeitsplatz für Ärztinnen und Ärzte" an. Junge Eltern finden darin etwa Checklisten für familienfreundliche Arbeitsplätze in Klinik und Niederlassung, aber auch Beispiele für vorbildhafte Kinderbetreuungsmodelle in Krankenhäusern.

"Solche Betreuungsmodelle sind zur Nachahmung empfohlen, stellen aber leider noch nicht die Lebenswirklichkeit in den meisten deutschen Kliniken dar", kommentierte BÄK-Vize Dr. Frank Ulrich Montgomery bei der Vorstellung in Berlin.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) rief die Klinikmanager zum Umdenken auf: "Investitionen in die Kinderbetreuung von angestellten Ärzten und Pflegekräften sind ein Wettbewerbsvorteil im Werben um qualifizierte Mitarbeiter. Oft werden sie jedoch noch als reiner Kostenfaktor betrachtet."

Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), wies die Kritik zurück. "Was haben sich die Liberal-Konservativen eigentlich dabei gedacht, den Kliniken mehr als eine Milliarde zu nehmen und gleichzeitig Investitionen in attraktive Arbeitsplätze zu fordern?", sagte Baum der "Ärzte Zeitung". Dass die Familienfreundlichkeit ein Erfolgsfaktor sei, hätten auch die Kliniken erkannt. So organisiere die DKG zusammen mit dem Netzwerk "Erfolgsfaktor Familie" im Februar einen Fachkongress, bei dem es um Fachkräftebindung durch familienbewusste Politik gehe. Der Kongress richte sich gezielt an Verantwortliche in Krankenhäusern.

Rösler sagte, Kindererziehung sei als gesellschaftliche Aufgabe ebenso wichtig wie die Patientenversorgung auf Station. Vor allem in der heutigen Chefarzt-Generation müsse sich dieses Denken aber noch durchsetzen. "Wer einer jungen Kollegin am Donnerstagabend ein schönes Wochenende wünscht, weil sie sich freitags um ihre Kinder kümmert, zeigt damit seine Geringschätzung für die Arbeit in der Familie", so Rösler.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die Zeit für Ausreden ist vorbei

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Debatte um Primärversorgung

HzV in Baden-Württemberg: Dort regiert die ganz große Koalition

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Keine Modeerscheinung

ADHS im Erwachsenenalter: Das gilt für Diagnostik und Therapie

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

 Shabnam Fahimi-Weber

© Jochen Tack

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin