Berufspolitik

Mehrheit der Frühchen hat Entwicklungsdefizite

HANNOVER (cben). 60 Prozent aller Frühgeborenen in Niedersachsen haben Entwicklungsdefizite, 21 Prozent gelten als deutlich entwicklungsauffällig, 39 Prozent als auffällig. Nur 40 Prozent zeigen keine Auffälligkeiten.

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Das haben standardisierte Nachuntersuchungen von überlebenden Frühchen in Niedersachsen ergeben - die bundesweit erste Studie dieser Art. Die Hälfte der 500 bis 1000 Gramm leichten Frühchen leiden später unter Sprachentwicklungsstörungen, hieß es. Das Risiko, an einer spastischen Lähmung zu erkranken liegt um das 130-fache höher, als im Durchschnitt aller Neugeborenen.

Für die Studie wurden 255 Kinder von insgesamt 479 der ersten beiden Jahrgänge nachuntersucht. Etwa ein Viertel der Frühchen starb im Laufe der ersten beiden Lebensjahre. Fünf Prozent der lebend aus den Kliniken entlassenen Kinder konnten nicht untersucht werden, weil ihre Familien Niedersachsen verlassen haben. Sechs Prozent lehnten die Nachuntersuchung ab.

Ziel der Studie, an der alle Kinderkliniken und Sozialpädiatrischen Zentren Niedersachsens beteiligt sind, ist es, die Versorgung zu verbessern und etwa Ergotherapie oder Logopädie zielgerichtet einzusetzen, sagt Ernst Thiel, Leiter der Landesvertretung der Techniker Kasse Niedersachsen, die das Projekt ebenso unterstützt wie die Kaufmännische Krankenkasse (KKH).

Das Projekt, das Nachuntersuchungsergebnisse der Frühchen nach sechs Monaten, zwei, fünf und zehn Jahren auswertet, wird vom Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen (ZQ), einer Einrichtung der Kammer Niedersachsen, betreut. Es müssten die Ursachen angegangen werden, "die für extreme Frühgeburten verantwortlich sind", sagt Gisbert Voigt, Vizepräsident der Ärztekammer Niedersachsen und niedergelassener Kinderarzt in Melle: "Jeder weitere Tag im Mutterleib ist ein Gewinn für das Kind." Das Hannoveraner Kinderkrankenhaus auf der Bult wird im Sommer die ersten Ergebnisse einer Zehnjahres-Nachuntersuchung vorstellen. Im Herbst starten dann die ersten flächendeckenden Fünfjahres-Nachuntersuchungen. Als Konsequenz der Studie fordert Silke Mader, Vorsitzende des Bundesverbandes "Das frühgeborene Kind", die koordinierte Betreuung der Frühgeborenen nach der Entlassung aus der Klinik.

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