Bayern legt in Prävention vor

Ministerium startet Safer Sex-Kampagne mit Influencern

Eine neue Kampagne des Bayerischen Gesundheitsministeriums zu sexuell übertragbaren Krankheiten stößt auf großes Interesse. Knapp drei Wochen nach dem Start haben bereits mehr als 320.000 Menschen die Videos von zwei bekannten Youtubern angesehen, die bei der Aktion mitmachen.

Von Thorsten Schüller Veröffentlicht: 03.07.2019, 06:33 Uhr
Ministerium startet Safer Sex-Kampagne mit Influencern

Ansprechend und gar nicht eklig: Die Infos zu sexuell übertragbaren Krankheiten.sti-auf-tour.de (Screenshot)

© sti-auf-tour.de (Screenshot)

MÜNCHEN. „Denise. Schaffst Du es, über eine Banane ein Kondom zu ziehen?“ Zusammen mit einer jungen Dame steigt Jonas Ems (Slogan: „Jung. Brutal. Am Aussehen kann er arbeiten.“) locker in das Thema sexuell übertragbare Krankheiten (STI) ein. Sein Kanal weist aus, dass er mehr als 2,68 Millionen Abonnenten hat.

„Wie viel Liter Wasser hält das Kondom, ohne zu platzen?“, lautet dagegen eine Frage bei der Kondom-Challenge von Chris Tezz und seiner Partnerin. Der Test wird vor laufender Kamera gemacht und stellt ebenfalls den unterhaltsamen Einstieg in das ernste Thema STI dar. 13.300 Interessierte haben sich das Video angeschaut, Tezz zählt insgesamt knapp 564.000 Abonnenten.

Sieben Influencer eingebunden

Jonas Ems und Chris Tezz sind sogenannte Influencer – junge Leute, die auf YouTube Videos zu unterschiedlichsten Themen erstellen und damit eine große Zahl an überwiegend jungen Zuschauern erreichen. Diese mediale Reichweite macht sich seit Kurzem das Bayerische Gesundheitsministerium für eine Schwerpunktkampagne zu sexuell übertragbaren Krankheiten zunutze.

Nach den Worten von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) will ihr Haus in den kommenden Monaten vor allem über soziale Netzwerke wie YouTube und Instagram darüber informieren, wie man sich vor AIDS oder Syphilis schützen kann. Eingebunden seien insgesamt sieben Influencer, von denen ChrisTezz und Jonas Ems bereits ihre Videos veröffentlicht hätten.

Diese Videos wurden den Angaben zufolge bereits von mehr als 320.000 Menschen angesehen und in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung mit rund 22.000 „Likes“ bewertet sowie mit über 1100 Kommentaren versehen.

App und Experten im Einsatz

Die Kampagne unter dem Hashtag &#STIauftour soll sich gezielt an junge Leute im Alter zwischen 17 und 25 Jahren richten. Auch eine App namens „Tellonym“ komme zum Einsatz. Dabei beantworten Experten der Bayerischen AIDS Stiftung und der Münchner Aids-Hilfe donnerstags zwischen 19:00 und 21:00 Uhr in einer anonymen Sprechstunde direkte Fragen, ohne dass die Identität des Fragestellers bekannt wird. Bislang seien über die App Tellonym 355 Anfragen eingegangen.

Huml wies darauf hin, dass AIDS zwar mittlerweile behandelbar, aber noch immer nicht heilbar sei. Es sei deshalb wichtig, sich konsequent vor einer Infektion mit dem HI-Virus zu schützen. In der Altersgruppe der 20- bis 35-Jährigen sei die Infektionsrate besonders hoch.

Mit dem HI-Virus haben sich einer Schätzung des Robert Koch-Instituts zufolge 2017 in Bayern rund 340 Menschen neu infiziert. Darunter seien cirka 280 Männer und 60 Frauen. Insgesamt lebten in Bayern Ende 2017 geschätzt rund 9300 Männer und 2400 Frauen mit dem HI-Virus.

Die Zahl der bekannten Syphilis-Fälle in Bayern war zuletzt von 678 im Jahr 2013 auf 1018 Fälle im Jahr 2016 und 1028 Fälle im Jahr 2017 gestiegen. Für 2018 wurden 934 Syphilis-Fälle in Bayern gemeldet.

Informationen im Internet:

www.sti-auf-tour.de

https://www.instagram.com/stiauftour.de/

Unsere Umfrage zeigt: Wer mit der Partnerin oder dem Partner über STI und Safer Sex spricht, bekommt viel Respekt..

Melanie Huml Bayerische Gesundheitsministerin auf www.sti-auf-tour.de

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: STI-Kampagnen: Digitale Nachhilfe aus Bayern

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