Berufspolitik

Missbrauchsbeauftragter Rörig nimmt Arbeit auf

BERLIN (dpa). Der neue Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, will auf schnelle Hilfen für Opfer sexuellen Missbrauchs pochen.

Veröffentlicht:

Die wichtigste Aufgabe bestehe jetzt darin, die Empfehlungen des Runden Tisches zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle konsequent umzusetzen, sagte Rörig am Dienstag bei seiner Vorstellung in Berlin. Bundesregierung, Bundesländer, Kommunen, Verbände und Kirchen seien in der Pflicht.

Rörig hat das Amt von Christine Bergmann übernommen, die im Herbst nach eineinhalb Jahren als Missbrauchsbeauftragte turnusgemäß ausgeschieden war. Der Runde Tisch hatte sich bei seiner Abschlusssitzung Ende November auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket verständigt.

Es geht um schnelle Hilfen für Opfer, Therapien und Entschädigungen, aber auch um Prävention und Ursachenerforschung. Ein zentraler Vorschlag besteht darin, einen Hilfsfonds in Höhe von 100 Millionen Euro einzurichten, der vor allem Opfern sexuellen Missbrauchs in Familien unbürokratisch zu Gute kommen soll.

Der Bund ist bereit, die Hälfte zu finanzieren. Die Länder konnten sich aber bislang nicht dazu durchringen, ihren Anteil von 50 Millionen Euro zu stemmen.

Bundesweite Umfragen geplant

Rörig kündigte an, mit bundesweiten Befragungen die Umsetzung der Empfehlungen begleiten zu wollen. Erste Ergebnisse sollen in einem Jahr vorgestellt werden. Dann komme der Runde Tisch noch einmal zusammen, um die bisherigen Ergebnisse der Umsetzung und offene Fragen zu diskutieren.

Rörig selbst wird Mitglied in einem Gremium von Sachverständigen sein, das über Leistungen aus dem Hilfsfonds entscheiden soll. Dabei geht es vor allem um Therapien, die derzeit nicht von anderen Trägern - wie Krankenkassen - übernommen werden. Hier sollen aber kein Bargeld, sondern Sachleistungen gewährt werden.

Die Bundesregierung hatte die Missbrauchsbeauftragte Bergmann und den Runden Tisch im Frühjahr 2010 eingesetzt, nachdem immer mehr Missbrauchsfälle aus der Vergangenheit in kirchlichen Einrichtungen, Schulen und Heimen bekanntgeworden waren.

Rörig betonte, dass er - wie Bergmann - unabhängig in seiner Arbeit sei, obwohl er organisatorisch an das Bundesfamilienministerium angegliedert ist.

Mehr zum Thema
Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Menschen demonstrieren im September 2021 vor dem Bundesrat für die Abschaffung des Paragrafen 219a. Der Bundesrat lehnt einen Antrag von fünf Ländern aber ab.

© Wolfgang Kumm/dpa

Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche

Abschaffung von §219a StGB: Justizminister legt Entwurf vor