Schnittstelle Krankenhaus

Mit Diabetes in die Klinik? Ein Anruf genügt!

Die Mitversorgung des Diabetes in Kliniken gilt als verbesserungsbedürftig. Auch Haus- und Fachärzte stehen in der Verantwortung.

Veröffentlicht: 31.01.2020, 11:38 Uhr

Berlin. Ärzte sehen in der Mitversorgung des Diabetes in Krankenhäusern eine große Schwachstelle im System. „Wir erkennen den Diabetes häufig nicht und wir kodieren ihn häufig nicht, da er keinen Erlös generiert“, sagte der Ärztliche Direktor und Chefarzt am St. Josefskrankenhaus Heidelberg, Dr. Erhard Siegel, bei einem Workshop im Rahmen des Jahreskongresses 2020 des Bundesverbandes Managed Care kürzlich in Berlin.

Es handele sich keineswegs um ein kleines Problem, sagte Siegel mit Verweis auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Danach hatten gut elf Prozent der knapp 19,5 Millionen zuletzt stationär behandelten Patienten die Nebendiagnose Diabetes. Das seien zwei Millionen Patienten, die fürchten müssten, dass sich ihre gesundheitliche Prognose wegen ungenügender Behandlungsprozesse bei einem Klinikaufenthalt verschlechterten.

Problem beginnt im Studium

Die Misere beginne im Medizinstudium, sagte Siegel. Derzeit erfahre ein angehender Arzt im Studium maximal zwei Stunden etwas über Diabetologie. Die Kliniken selbst müssten Strukturen und Prozesse ändern. In jedem Krankenhaus müsse jeder Patient bei Aufnahme auf seinen Blutzucker hin untersucht werden. Liege ein Diabetes vor, sei der Patient mit „diabetologischer Expertise“ weiterzubehandeln. Das passiere zu selten. „In Deutschland wird in 17 Prozent der Krankenhäuser zertifizierte Diabetesexpertise vorgehalten.“

Diabetesspezifisches Struktur- und Prozessmanagement gehe mit verbesserter Behandlungsqualität in den Krankenhäusern einher und trage obendrein zur Erlössicherung bei, sagte Matthias Jakob, zuständig für Marktzugang und Erstattung beim Pharmaunternehmen Lilly Deutschland. Daher sei mit Unterstützung von Lilly vor zehn Jahren das „Diabetes-Excellence-Center-Projekt“ (DEC) aufgelegt worden. Dabei würden den Kliniken Standards und auch Trainings-Curriculum für ein „professionelles Management der Nebendiagnose Diabetes“ bereitgestellt.

DRGs decken Aufwand nicht

Ein „Riesenproblem“ sei, dass die Mitversorgung des Diabetes in den Klinik-Fallpauschalen nicht hinreichend abgebildet sei, monierte Diabetes-Experte Siegel. „Ob ein Krankenhaus den Diabetes gut versorgt oder nicht, kommt finanziell auf dasselbe raus.“ Siegel sprach von „Fehlanreizen“. Auch die Zusammenarbeit mit Haus- und Fachärzten sei zu verbessern. „Das ist die klassische Schnittstelle.“ Bei elektiven Eingriffen müssten beide Seiten Absprache halten, um Komplikationen in der Klinik zu vermeiden. Mitunter genüge schon ein Anruf. Was zudem fehle, seien digitale „Plattformen“, über die der Haus- und Facharzt Einblick nehmen könnten, was mit ihren Patienten in der Klinik passiere. (hom)

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