Kommentar zum RESIST-PRojekt

Mit sprechender Medizin gegen die Resistenzen

Ärzte wissen, dass Antibiotika gegen Viren nicht wirken, sind aber gleichwohl vor irrationalem Handeln nicht gefeit. Kommunikation mit dem Patienten ist das Aund O.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 14.09.2020, 18:47 Uhr

Antibiotika taugen nichts bei Erkältungen. Sprechen Ärzte und Patienten mehr miteinander, sinken die Verordnungszahlen. Es kann so einfach sein. Ärzte und Patienten reden einfach mehr miteinander, und schon sinken die Antibiotikaverordnungen.

Aus den Ergebnissen des Projekts RESIST von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Ersatzkassenverband sollten alle Beteiligten ihre Schlüsse ziehen. Der Arzt kann daraus lernen, dass der Patient nicht zwingend von ihm ein Rezept für ein Antibiotikum erwartet, um Husten, Schnupfen, Heiserkeit zu kurieren. Die Patienten erfahren daraus, dass der Profi, also der Arzt, sie als Laien zu einer gemeinsamen Entscheidungsfindung einlädt.

Das ist Aufklärung und kann helfen, ein Stück Irrationalität aus den Arztpraxen zu verbannen. Ärzte wissen von Berufswegen sehr genau, dass Antibiotika gegen Viren nicht wirken, sind aber gleichwohl vor irrationalem Handeln nicht gefeit. Besteht der Patient auf die Gabe eines Antibiotikums, zücken sie zu oft noch lieber den Rezeptblock als sich in die Auseinandersetzung mit dem Laien zu begeben.

Ein kleiner Dreh an der Arzt-Patienten-Kommunikation kann an dieser Stelle etwas bewirken. Schließlich ist die Bedrohung durch Antibiotikaresistenzen durchaus manifester als die Bedrohung durch nicht mit Antibiotika behandelte Viruserkältungen. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet plakativ vor, dass bis zum Jahr 2050 jedes Jahr zehn Millionen Menschen an Antibiotikaresistenzen sterben könnten. Das wäre also alle zwölf Monate einmal die Einwohnerzahl Schwedens.

Schreiben Sie dem Autor: anno.fricke@springer.com

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