Berufspolitik

Münster bildet Hygieneärzte aus

Kliniken mit mehr als 400 Betten sollen künftig einen Klinikhygieniker beschäftigen - doch es gibt kaum Fachärzte. Zehn Weiterbildungsplätze entstehen nun in Münster.

Veröffentlicht:
Uniklinik Münster: Am Institut für Hygiene werden jetzt Fachärzte für Hygiene weitergebildet.

Uniklinik Münster: Am Institut für Hygiene werden jetzt Fachärzte für Hygiene weitergebildet.

© Rüdiger Wölk / imago

KÖLN (nds). Die "Westfälische Akademie für Krankenhaushygiene" des Instituts für Hygiene am Uniklinikum Münster ist bundesweit das erste Weiterbildungszentrum, das sich auf die Ausbildung von jungen Ärzten zum Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin spezialisiert hat.

Damit will sie einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel auf diesem Gebiet leisten. "Im Anschluss an die fünfjährige Weiterbildung können die Kollegen dann als Facharzt für Hygiene an Krankenhäusern eigenständig arbeiten", sagt Dr. Frank Kipp, leitender Krankenhaushygieniker am Uniklinikum Münster.

Er hat gemeinsam mit Privatdozent Dr. Alexander Mellmann die ärztliche Leitung der Akademie übernommen.

Spezialisten mit Schwerpunkt Hygiene werden dringend benötigt. Dazu trägt auch eine Gesetzesänderung bei, die vorsieht, dass jedes Krankenhaus mit mehr als 400 Betten einen eigenen, hauptamtlichen Krankenhaushygieniker anstellen muss.

Derzeit kommen auf den Bedarf von mindestens 400 Krankenhaushygienikern deutschlandweit nur 70 Fachärzte, die tatsächlich in diesem Versorgungsfeld tätig sind.

Die neu gegründete Akademie hat Kapazitäten, um fünf bis zehn angehende Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin gleichzeitig auszubilden.

Leistung der Hygieniker wird oft nicht wahrgenommen

Sie selbst bietet drei Stellen an, die derzeit belegt sind. Die übrigen Ausbildungsplätze können nur in Kooperation mit anderen Kliniken besetzt werden.

Neben der Ausbildung fehlender Krankenhaushygieniker ist die Erforschung von Infektions- und Übertragungswegen von Krankheitserregern die zweite Säule der Einrichtung.

Ziel ist, Gefahrenquellen aufzudecken und dadurch effektivere Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Erforschung der Besiedlungsmechanismen von MRSA.

Laut Bundesgesundheitsministerium erkranken pro Jahr zwischen 400.000 und 600.000 Menschen an diesen Krankenhauskeimen, in rund drei Prozent aller Fälle verläuft die Erkrankung tödlich.

"Krankenhaushygiene ist direkte Infektionsprävention und dient unmittelbar der Patientensicherheit", erklärt Professor Helge Karch, Direktor des Instituts für Hygiene. Diese Sichtweise müsse sich noch viel stärker durchsetzen.

Wenn zum Beispiel ein Chirurg eine schwierige Operation erfolgreich meistere, werde dies natürlich völlig zurecht von den Patienten und seinen Angehörigen registriert, sagt Karch.

"Aber wenn ein Krankenhaushygieniker erfolgreich Infektionen verhindert und so Leben rettet, bekommt dies niemand mit."

Mehr zum Thema

Apps auf Rezept

Psychotherapeuten schießen gegen DiGA quer

bvvp

Psychotherapeuten wählen neuen Bundesvorstand

Neue Bestellmodalitäten

Nun gibt es doch nur Comirnaty® für Arztpraxen

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Ein Arzt impft eine Frau in einer Hausarztpraxis mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech. Die Vakzine von AstraZeneca soll nun doch nicht in die Praxen kommen.

Neue Bestellmodalitäten

Nun gibt es doch nur Comirnaty® für Arztpraxen

Barometer steht auf Schlechtwetter: Wechselhaft bis regnerisch – auch Ärzte blicken in der aktuellen Phase der Pandemie nicht mehr so optimistisch in die Zukunft wie noch im Herbst 2020.

Medizinklimaindex

Stimmung bei Hausärzten beginnt zu kippen