Berufspolitik

NRW-Ministerin fordert mehr Vernetzung und Kooperation

Im Gesundheitssystem sollte das Handeln am Patienten auszurichten sein. Ministerin Barbara Steffens (Grüne) sieht das aber immer öfter gefährdet.

Veröffentlicht: 10.04.2011, 16:19 Uhr

ESSEN (iss). Arztpraxen und Krankenhäuser, die ihre Arbeit stärker an den Bedürfnissen der Patienten ausrichten, werden auch erfolgreich sein. Davon geht die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) aus.

"Wirtschaftlichkeit und Patientenorientierung sind kein Widerspruch", sagte Steffens vor kurzem bei einer Veranstaltung in Essen. Um diese Ziele in Einklang zu bringen, fehlten im Gesundheitswesen aber die Rahmenbedingungen.

"Wir brauchen mehr Kooperation und mehr Vernetzung", forderte Steffens. Einzelne Beispiele zeigten, dass die bessere Zusammenarbeit sowohl den Patienten zugute komme als auch die Kosten senke.

So sei es im St. Franziskus Hospital in Münster gelungen, mit einfachen Maßnahmen perioperatives Altersdelir zu verhindern. Durch Veränderungen der Verfahrensabläufe, die Kooperation der beteiligten Berufsgruppen und die Schulung der Mitarbeiter konnte die Klinik die Rate der Fälle auf 6,9 Prozent senken - während sie sonst zwischen 44 und 61 Prozent liege. "Das bringt mehr Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit", sagte sie.

Patientenorientierung sei für ihn ein Teil der Konzentration auf die Menschen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe Dr. Wolfgang-Axel Dryden.

"Menschlichkeit muss im gesamten Gesundheitswesen umgesetzt werden. Das gilt auch für diejenigen, die dort arbeiten." Dryden verwies auf die Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen.

"Wir haben heute in der Medizin eher eine Fall-Orientierung als eine Menschenorientierung", sagte Dr. Peter Potthoff, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Das Sozialgesetzbuch fordere nicht nur eine ausreichende, wirtschaftliche und notwendige Behandlung, betonte er. "Im Gesetz steht auch, dass die Behandlung human sein muss." In der Debatte spielten aber nur die anderen Vorgaben des Gesetzes eine Rolle.

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