Berufspolitik

Neuer Facharztvertrag in Baden-Württemberg

Therapie ohne Zeitverzögerung, bessere Vergütung für Ärzte und Psychotherapeuten: In Baden-Württemberg startet jetzt ein neuer Facharztvertrag von AOK, Bosch BKK und Verbänden. Ab sofort können sich landesweit Fachärzte und Psychotherapeuten einschreiben.

Veröffentlicht: 11.10.2011, 14:59 Uhr
Neuer Facharztvertrag in Baden-Württemberg

Vorsitzender der Medi BW, Dr. Werner Baumgärtner sieht bei der schnelleren Terminvergabe einen Vorteil für die Hausärzte.

© Horst Rudel

STUTTGART (fst). Ein neuer Facharztvertrag soll in Baden-Württemberg die neurologische, psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung verbessern.

Auf Kassenseite sind die AOK und die Bosch BKK Vertragspartner. Ärzte und Psychotherapeuten sind vertreten durch Medi Baden-Württemberg, den Landesverband des Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN), die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) sowie die Freie Liste der Psychotherapeuten.

Am Montag haben die Vertragspartner nach langwierigen Verhandlungen die Vereinbarung nach Paragraf 73 c SGB V paraphiert. Ab sofort können sich landesweit Fachärzte und Psychotherapeuten einschreiben.

Behandlung auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten

Die Partner versprechen sich von der Vereinbarung eine "schnelle, strukturierte und flexibel auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnittene Behandlung.

Ein Vorteil für zuweisende Hausärzte sei "die vertraglich vereinbarte schnellere Terminvergabe, die im KV-System häufig ein Nadelöhr darstellt", sagte Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner.

Spätestens nach 14 Tagen einen Termin beim Psychotherapeuten

Ein eingeschriebener Patient soll bei Verdacht auf eine Depression spätestens nach 14 Tagen einen Ersttermin bei einem Psychotherapeuten erhalten. Ein Gutachterverfahren zur Abklärung der Kostenübernahme soll es nur noch bei der Psychoanalyse geben.

Der schnelle Therapiebeginn könne Chronifizierungen entgegenwirken, erklärte Diplom-Psychologe Rolf Wachendorf von der Freien Liste der Psychotherapeuten.

Strukturierte Arztbriefe sollen die rasche Kommunikation zwischen Hausarzt, Psychotherapeuten und Fachärzten erleichtern. Auch dies sorge für eine höhere Behandlungsqualität.

Fachärzte erhalten ein "deutlich höheres Honorar"

Allen beteiligten Fachgruppen soll der Vertrag ein "deutlich höheres Honorar" ermöglichen als im KV-System. Vereinbart wurde dafür ein Mix aus Pauschal- und Einzelleistungsvergütungen sowie Qualitätszuschlägen.

Für Neurologen soll es beispielsweise "krankheitsspezifische Beratungszuschläge" von bis zu 25 Euro geben, so dass sie mehr Zeit für die Behandlung haben, heißt es.

Psychotherapeuten können in der Akutversorgung die ersten zehn Stunden mit jeweils 105 Euro abrechnen, die anschließenden 20 Stunden je 90 Euro.

Netz aus Facharztverträgen in Baden-Württemberg ausgebaut

Der Medi-Verbund und die AOK bauen mit der Vereinbarung das Netz aus Facharztverträgen in Baden-Württemberg weiter aus.

Anders als bei Gastroenterologen und Kardiologen sorgte die heterogene Struktur der Fachgruppe aus Neurologen, Psychiatern und Psychologen für besonders komplexe Verhandlungen. Baumgärtner hatte daher im Vorfeld geäußert, ein Vertragsschluss werde "Signalcharakter" haben.

Versorgungsbeginn wohl Anfang 2012

Teilnehmen können alle Versicherten, die im jeweiligen Hausarztvertrag der beiden Kassen eingeschrieben sind.

Versorgungsbeginn wird voraussichtlich Anfang 2012 sein - wenn ausreichend viele Ärzte und Therapeuten mitmachen.

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