BDI-Chef Spies

Nichts geht ohne Pragmatismus

Mit allen Entscheidern im Gesundheitswesen konsequent den Dialog suchen - das hat der neue BDI-Chef Dr. Hans-Friedrich Spies beim Internistenkongress 2016 gefordert.

Veröffentlicht: 10.04.2016, 20:02 Uhr

MANNHEIM. Der neu gewählte Präsident des Berufsverbandes der Internisten (BDI), Dr. Hans-Friedrich Spies, hat für die Zukunft Offenheit mit Blick auf alle politischen Gesprächspartner gefordert.

Dies gelte etwa für den Dialog mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), mit Professor Karl Lauterbach (SPD), den Linken, den Krankenkassen und der Krankenhausgesellschaft.

Mit Blick auf die künftige Arbeit des BDI gibt es aus seiner Sicht eine Kernerkenntnis: "Ärzte sind nur ein kleiner Teil der Gesellschaft und Gesundheitspolitik ist Gesellschaftspolitik", sagte Spies nach seiner Wahl.

"Wir können grundsätzliche politische Entscheidungen wie zum Beispiel die Einführung einer Bürgerversicherung nicht verhindern, sondern nur die Richtung beeinflussen," so der neue BDI-Präsident, der von 2001 bis 2003 Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen war. Wie schon in den letzten Jahren müsse der BDI einen politischen Pragmatismus pflegen.

Spies warnte davor, dass die Berufsverbände "in den Sog des Niedergangs der Körperschaften" hineingezogen würden. Mitarbeit sei notwendig, wenn es um die Stärkung der Selbstverwaltung gehe. Zugleich mahnte er aber eine kritische Distanz bei politischem Missbrauch der Selbstverwaltungsorgane an.

Mehr als bisher müsse sich der BDI an den Entscheidungsorganen der Selbstverwaltung beteiligen.

Darüber hinaus forderte Spies eine Stärkung der ärztlichen Position in Krankenhäusern. Die Verwaltungsleitung missbrauche Ärzte mit ökonomischen Vorgaben, um wirtschaftliche Zwänge medizinisch zu begründen.

"Politisierung" der nachfolgenden Ärztegeneration

Ausdrücklich sprach sich der neue BDI-Präsident laut Redemanuskript für eine "Politisierung" der nachfolgenden Ärztegeneration aus. ."Es gibt auch ein Leben außerhalb des Tarifvertrages des Marburger Bundes", sagte er.

Dabei gehe es nicht allein um Probleme der Weiterbildungsordnung und deren Umsetzung, sondern auch um den Erhalt einer freiberuflichen Position des Arztes, die wiederum bei der jüngeren Generation als Wert dargestellt werden müsse.

Spies strebt eine engere Kooperation zwischen dem BDI und der DGIM an. "Wissenschaftspolitik geht nicht mehr ohne Berufspolitik. Berufspolitik nicht mehr ohne Wissenschaft", sagte er. Immer häufiger würden wissenschaftliche Daten missbraucht mit dem Ziel, die Versorgung ökonomisch zu steuern.

"Der Eindruck, dass insbesondere auf der Verwaltungsebene eine Konkurrenzsituation zwischen DGIM und BDI bestehe, trage nicht, stellte Spies ausdrücklich klar.

Er bedankte sich bei Kongresspräsident Professor Gerd Hasenfuß, der wesentlich dazu beigetragen habe, etwa die "Choosing Wisely-Debatte" gemeinsam aufzuarbeiten. (fuh)

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