Berufspolitik

Niedergelassene rechnen 2018 mit einer Zweiklassenmedizin

Deutschlands Ärzte plagen große Sorgen um die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitswesens und den eigenen Beruf.

Von Bülent Erdogan Veröffentlicht: 27.11.2008, 05:00 Uhr

Das geht aus dem gestern in Berlin vorgestellten 3. MLP-Gesundheitsreport für 2008 hervor. Danach fürchten 87 Prozent der Mediziner, dass es in den kommenden zehn Jahren immer mehr zu einer Zweiklassenmedizin kommen wird. 83 Prozent der Ärzte meinen, dass ihre Belastungen in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Für die repräsentative Umfrage interviewte das Institut für Demoskopie Allensbach zum ersten Mal auch 517 ärztlich tätige Mediziner, davon 303 im ambulanten und 214 im stationären Bereich.

Zwar beurteilen 80 Prozent der Ärzte die aktuelle Gesundheitsversorgung als gut (63 Prozent) oder sehr gut (17), doch hat sich für 57 Prozent der Ärzte die Qualität der Gesundheitsversorgung schon in den vergangenen zwei, drei Jahren verschlechtert. Eine klare Mehrheit der Ärzte erwartet, dass sich diese Entwicklung auch in den kommenden zehn Jahren fortsetzen wird.

So gehen 84 Prozent der Mediziner davon aus, dass es für sie schwieriger werden wird, alle medizinisch notwendigen Leistungen noch verordnen zu können. 81 Prozent der Befragten rechnen damit, dass eine Versorgung auf dem heutigen Niveau im Jahr 2018 nicht mehr gewährleistet sein wird. 76 Prozent der Ärzte befürchten, dass die Kassen nur noch für eine medizinische Grundversorgung aufkommen werden.

Dabei ist der Argwohn der Ärzte gegen die Kassen schon heute ausgeprägt: So gaben 76 Prozent der Hausärzte in der Umfrage an, häufig Leistungen zu erbringen, ohne dass diese erstattet würden. Vom Kostendruck der Kassen fühlen sich derzeit 69 Prozent der Niedergelassenen stark (33) oder sehr stark (36) betroffen.

Mit dem Start des Gesundheitsfonds, so die Erwartung von 70 Prozent der Befragten, wird dieser Kostendruck noch einmal zunehmen. 42 Prozent meinen, dass sich dadurch auch die Qualität der Versorgung verschlechtern wird. In die im August beschlossene zehnprozentige Honorarsteigerung setzt eine Mehrheit der Ärzte derweil keine Hoffnung. Nur zehn Prozent der Niedergelassenen rechnen mit einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage, 49 Prozent erwarten hingegen weitere Einschnitte.

Dass 80 Prozent der Ärzte die aktuelle Versorgung als gut oder sehr gut bezeichnen, erklärte der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Jörg-Dietrich Hoppe, damit, dass die Ärzte mit ihrem Engagement bis ans Limit gingen, um eine Rationierung möglichst zu vermeiden. Dieses Limit sieht er jetzt erreicht. Ursache für die negativen Zukunftsannahmen der befragten Mediziner ist für Hoppe die Ökonomisierung des Arztberufs: So würden Patienten zu "Kostenfaktoren" und Ärzte zu "Kostenminimierern" gestempelt.

Für einen großen Teil der Niedergelassenen steht das Urteil über das deutsche Gesundheitswesen bereits heute fest: 47 Prozent gaben an, sie würden jungen Medizinern in der Ausbildung abraten, sich später einmal niederzulassen. Immerhin 44 Prozent würden dem Nachwuchs hingegen weiter empfehlen, in die ärztliche Versorgung zu gehen.

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