Berufspolitik

Niedersachsen will schnelle Weiterbildung zum Kurarzt

Weil vielerorts Kurärzte fehlen, will die Ärztekammer Niedersachsen die Hürden für die Weiterbildung senken. Andere Regionen aber zögern mit diesem Schritt.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Die Zahl der kurärztlichen Behandlungsfälle hat sich in einer Dekade mehr als halbiert, auch die Zahl der Kurärzte ist stark rückläufig.

Die Zahl der kurärztlichen Behandlungsfälle hat sich in einer Dekade mehr als halbiert, auch die Zahl der Kurärzte ist stark rückläufig.

© Lanie / fotolia

HANNOVER. Niedersachsens Ärztekammer (ÄKN) will die Weiterbildung zum Kurarzt erleichtern. Der Grund: Es fehlen Kurärzte. Dadurch wird die Versorgung ebenso gefährdet wie der Status manchen Kurortes.

Nach Angaben der Kurärztlichen Verwaltungsstelle bei der KV Westfalen-Lippe sei die Zahl der kurärztlichen Behandlungsfälle von 229 725 in Jahr 2000 auf 94 355 im Jahr 2009 gefallen. Im laufenden Jahr würden sogar nur noch knapp 85 000 Fälle erwartet, hieß es (wir berichteten). Die Zahl der Kurärzte sei in den vergangenen zehn Jahren von 1579 auf 1024 gesunken. Neben der Versorgung bedroht der Mangel auch die Kurorte. Sie brauchen wenigstens zwei Kurärzte, um ihren Status als Kurort zu behalten.

Nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) wollen einige Kammern nun gegensteuern und die Schwelle zur Zusatzbezeichnung "Kurarzt" senken. "Wir haben das Problem erkannt und wollen beim Erwerb der Zusatzbezeichnung Kurarzt eine Kehrtwende machen", erklärte Karsten Scholz, Justiziar bei der ÄKN. Man plane, die entsprechende Weiterbildungszeit deutlich zu verkürzen. Im Jahr 2003 wurden die beiden Zusatzbezeichnungen Physikalische Therapie und Balneologie zum Bade- beziehungsweise Kurarzt verschmolzen, so Scholz. Die Weiterbildungszeit zum Bade- oder Kurarzt beträgt derzeit zwölf Monate bei einem entsprechenden Weiterbildungsermächtigten und 240 Stunden Kurs-Weiterbildung in Physikalischer Therapie und Balneologie.

"Wir meinen, dass die 240-stündige Weiterbildung zum Erwerb der Zusatzbezeichnung genügt", sagte Scholz der "Ärzte Zeitung". In Westfalen-Lippe hat der Weiterbildungsausschuss eine Änderung gerade erst abgelehnt. "Wir sehen keinen Bedarf", so ein Sprecher. In Bayern steht die Änderung beim Bayerischen Ärztetag Mitte Oktober auf der Agenda, erklärte Jadok Müller von Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK).

Auch in Baden-Württemberg wurde über eine Änderung nachgedacht. "Aber wir haben uns dagegen entschieden", erklärte Dr. Oliver Erens, Sprecher der Landesärztekammer. Man wolle mit der Entscheidung die Erfahrungen anderer Länder abwarten und auf die eventuelle Änderung der Musterweiterbildung warten.

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