Nordhessen: Digitale Krankenakte gegen Wunden

KASSEL (mwo). Die nordhessische Ärztegenossenschaft DOXS und die Managementgesellschaft medicalnetworks haben mit vielen Betriebskrankenkassen einen IV-Vertrag zur Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden geschlossen.

Veröffentlicht:

Bundesweites Neuland betreten die Beteiligten nach eigenen Angaben durch die Kooperation mit einem Netz des regionalen Gesundheitsamtes für Multiresistente Erreger (MRE).

Bundesweit leiden etwa vier Millionen Menschen an schlecht heilenden Wunden, davon etwa 15.000 in der von dem IV-Vertrag erfassten Region Nordhessen.

Davon wiederum sind etwa 3000 bei den beteiligten 60 Betriebskrankenkassen versichert. Der Vertrag sei aber auch für weitere Kassen offen, sagte DOXS-Vorstand und Allgemeinarzt Stefan Pollmächer.

Gesundheitsamt ist mit im Boot

Mit modernen Behandlungsmethoden und leitliniengetreuer Behandlung, vor allem aber durch optimale Vernetzung und eine digitale Krankenakte, wollen die Ärzte chronische Wunden in den Griff bekommen.

Die Vernetzung bezieht auch das MRE-Netz des Gesundheitsamtes Region Kassel ein. Dadurch soll verhindert werden, dass die gefährlichen Keime in offene Wunden gelangen oder sich umgekehrt durch die Versorgung chronischer Wunden weiter ausbreiten.

Einbezogen sind auch die Pflegedienste, die die Versorgung der Wunden nur besonders geschultem Personal überlassen sollen. Auch Angehörige werden geschult, nicht zuletzt im richtigen Händewaschen.

Fünf bis zehn Arztbesuche in acht Wochen

Auf Seiten der Ärzte sollen sich vorrangig Mediziner beteiligen, die regelmäßig mit offenen Wunden zu tun haben, etwa Phlebologen, Diabetologen, Dermatologen, Chirurgen oder Allgemeinärzte mit entsprechender Fortbildung.

Umfasst sind unter anderem das diabetische Fußsyndrom, arteriell und venös verursachte Wunden, Dekubitus und schwerere Verbrennungen. Ein "Grundmodul" dauert acht Wochen und sieht in dieser Zeit fünf bis zehn Arztkontakte vor.

Beteiligte Ärzte bekommen für ihren erhöhten Aufwand eine Add-on-Vergütung, etwa für die Erstversorgung, die Supervision des Pflegedienstes, Zwischen- und Abschlussbericht. Auch Materialien können teilweise aus der Budgetierung herausgenommen werden.

Die beteiligten Krankenkassen sind zuversichtlich, die Mehrkosten am Ende wieder einzusparen - vor allem durch die Vermeidung von Doppeluntersuchungen und Krankenhauseinweisungen.

Dennoch sei dieser Vertrag gerade für die Kassen "nicht sexy", lobte medicalnetworks-Geschäftsführer Christoph Jaworski das Engagement der BKKen.

Wundhotline: Werktags 9 bis 17 Uhr. Telefon: 0561 76685530

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

„Weniger Kunststoff, weniger Verpackungsmüll bei Impfstoffen“

Antidiabetika senken MPN-Risiko

Weniger myeloproliferative Neoplasien unter Metformin

Lesetipps