Berufspolitik

Nur noch halb so viele Tabletten im Alter

Fünf Medikamente oder mehr - für viele ältere Patienten ist das Alltag. Und ihre Zahl nimmt zu, doch ein griffiges Versorgungskonzept für die Multimorbiden gibt es nicht. Das will die DEGAM ändern - und zwar bald.

Veröffentlicht: 26.09.2011, 15:04 Uhr
Professor Ferdinand Gerlach, Präsident der DEGAM.

Professor Ferdinand Gerlach, Präsident der DEGAM.

© Uni-Frankfurt

SALZBURG (ras). Für die steigende Zahl an multimorbiden Patienten in Arztpraxen, die täglich fünf Medikamente oder mehr einnehmen müssen, gibt es bislang weder griffige Versorgungskonzepte noch evidenzbasierte Leitlinien.

Diese Misere hat Professor Ferdinand Gerlach, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) beim 45. Jahreskongress der DEGAM in Salzburg vor über 400 Teilnehmern vertreten.

Auf dem dreitägigen Kongress wurden eine Vielzahl von Erhebungen vorgestellt, wie die Polypharmakotherapie künftig in der Arztpraxis besser vorgenommen werden kann.

DEGAM will Empfehlungen für Polypharmakotherapie erarbeiten

Dabei sei es durchaus möglich, die Zahl der Medikamente bei älteren Patienten von acht oder zehn Präparaten am Tag bis auf die Hälfte zu reduzieren, ohne die Versorgung des Patienten zu gefährden, so Experten auf dem Kongress.

Gerlach kündigte an, dass diese Erkenntnisse nun von der DEGAM und den Instituten für Allgemeinmedizin analysiert und möglichst rasch in praxisnahe Empfehlungen oder gar Leitlinien münden werden.

Gute Ansätze in Hausarztverträgen

Erfolgversprechende Ansätze sieht Gerlach auch in Hausarztverträgen, wie etwa mit der AOK Baden-Württemberg oder der Techniker Krankenkasse Bayern.

Die weitgehende Pauschalierung der ärztlichen Leistungen lasse den Hausärzten dort den erforderlichen Spielraum, die Polypharmakotherapie älterer Patienten - gestützt auf zielgerichtete Fortbildungen und Qualitätszirkel - in den Mittelpunkt ihres Handelns zu rücken.

Das umfasse auch die enge Abstimmung mit anderen beteiligten Facharztgruppen.

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