Notfallzentrum

Ohne Triage geht auch in Bayern nichts mehr

Integrierte Notfallzentren benötigen ein Triagesystem, um bei höheren Patientenzahlen die Hochrisikofälle zu identifizieren. Die KVB spricht sich für einen gemeinsamen Empfangstresen von ambulantem und stationärem Sektor.

Von Christina Bauer Veröffentlicht: 06.11.2018, 05:33 Uhr
Ohne Triage geht auch in Bayern nichts mehr

Dringend oder nicht? Notfallversorgung ist eine Reformbaustelle.

© Kahnert / dpa

MÜNCHEN. Integrierte Notfallzentren (INZ) müssen bei Notfallpatienten von einem möglicherweise dringenden Behandlungsbedarf ausgehen, betonte Professor Harald Dormann, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Fürth.

Schon bisher sei der Großteil der Selbstzuweisungen von Patienten in die Klinik-Notaufnahmen richtig. Es gebe zudem Patienten, die sich gar nicht in eine Notaufnahme trauten. „Vorsicht beim Grad der Fehlsteuerung“, warnte Dormann. Er kritisierte unter anderem methodische Schwierigkeiten in der PiNo-Nord-Studie, die auf hohe Anteile ambulant-sensitiver Fälle in Notaufnahmen hingewiesen hatte.

Eine integrierte ambulant-stationäre Struktur, so Dormann, müsse jedenfalls mehr Andrang bewältigen als nur eine Notaufnahme. Da es zuallererst gelte, Hochrisikopatienten zu erkennen, sei eine zeitnahe, effiziente Triage wichtig. In den Kliniken hätten sich dafür zwei Systeme bewährt, der Emergency Severity Index (ESI) und das Manchester Triage System (MTS).

Beide eigneten sich für alle Patienten, eine Sichtung dauere eine halbe Minute bis zu zwei Minuten. Das entspräche auch der Vorgabe des Gemeinsamen Bundesausschusses nach einer Sichtungsfrist von zehn Minuten. Daher sollten alle Kliniken diese Systeme verwenden.

Ersteinschätzung nötig

Aber auch im ambulanten Teil der INZ müsse triagiert werden. „Wir haben an Bereitschaftspraxen bisher kein Triagesystem etabliert“, so Dormann. Eignen könnte sich nach seiner Einschätzung das von der KBV dieses Jahr vorgestellte „Strukturierte medizinische Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland“ (SmED).

Es basiere auf Selbsteinschätzung und könne daher telefonisch durchgeführt werden. Eine Befragung dauere vier bis sechs Minuten. Dann erfahre der Patient, ob er in eine Klinik oder Praxis gehen solle, und bis wann. SmED wird ab 2019 bundesweit in der Innovationsfonds-Studie DEMAND erprobt.

KVB für gemeinsamen Tresen

Die Diagnosefindung habe in der Notfallmedizin einen höheren Stellenwert als früher, konstatierte Professor Christoph Dodt von der städtischen München Klinik. „Das ist ein Kulturwandel“, sagte Dodt. Der KVB-Vorstandschef Dr. Wolfgang Krombholz forderte für die Notfallversorgung eine „bedarfs- und patientenorientierte Koexistenz der ambulanten und stationären Sektoren“.

Für Integrierte Notfallzentren wolle die KVB einen gemeinsamen Tresen in ambulanter Verantwortung. In Bayern sei die neue Bereitschaftsdienst-Struktur mit 109 Praxen im November fertig, davon befänden sich 94 an Kliniken.

Wie Dr. Brigitte Wrede, Ärztliche Referentin für Krankenhausplanung in der Berliner Senatsverwaltung, resümierte, seien noch viele Angleichungen in den Ländern nötig. „Es gibt in Deutschland eine große Ungleichverteilung von Notdienstpraxen an Krankenhäusern“, so Wrede. Unterschiedlich sei zudem die Koordination zwischen den Sektoren und mit dem Rettungsdienst. Solle jeder Bürger in einer halben Stunde ein INZ erreichen, müsse es bundesweit 751 geben.

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