Sterbebegleitung / Sterbehilfe

Palliativ-Teams fehlt qualifiziertes Personal

Seit 2007 gibt es einen Leistungsanspruch auf die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Nach zögerlichem Start werden nun bundesweit immer mehr Verträge zwischen Kassen und Palliative Care Teams geschlossen. Doch die Zahl könnte weit höher sein, wenn sich mehr qualifizierte Mitarbeiter finden würden.

Von Sabine Schiner Veröffentlicht:
Palliativteams sollen Schwerstkranke gut versorgen.

Palliativteams sollen Schwerstkranke gut versorgen.

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FRANKFURT/MAIN. Mit den Verträgen zur Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) betreten Ärzte und Krankenkassen Neuland. Zwar häufen sich derzeit die Meldungen über Vertragsabschlüsse - doch auf welchem Qualitätslevel die Palliativ-Care-Teams vor Ort arbeiten können, hängt unter anderem davon ab, wie viel die Krankenkassen bereit sind, in die SAPV zu investieren. Palliativexperten fordern eine Evaluation der Versorgungsqualität.

KBV hat erst 20 Nummern für Betriebsstätten vergeben

Die SAPV ist mit der letzten Gesundheitsreform am 1. April 2007 als individueller Leistungsanspruch in das Sozialgesetzbuch V eingeführt worden. Nach einem zögerlichen Start gab es nach Angaben des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen im Spätsommer bundesweit 30 Verträge nach Paragraf 132d SGB V, weitere 65 Verträge wurden verhandelt. Diese Zahl an Vertragsabschlüssen bedeutet allerdings nicht, dass sich bereits 30 Palliativ-Care-Teams in den Regionen um Schwerstkranke kümmern. Nach Angaben von Dr. Thomas Schindler, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin in Berlin, sind von der KBV erst 20 Betriebsstättennummern an SAPV-Teams vergeben worden. Ohne eine solche Nummer können die Palliativmediziner keine Leistungen abrechnen.

Ein weiterer Hemmschuh: Es fehlt an Personal. Beispiel Hessen: Dort gibt es Verträge mit allen gesetzlichen Kassen. Vorreiter waren die Ersatzkassen, seit kurzem haben auch AOK, IKK, Landwirtschaftliche Krankenkasse und Knappschaft mit der Landesarbeitsgemeinschaft Palliativversorgung einen Vertrag geschlossen. Interdisziplinäre SAPV-Teams arbeiten derzeit in Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach, Hanau, Fulda, Bad Hersfeld, Kassel, Marburg und Gießen - allerdings mit Einschränkungen. "Die Mitarbeiter arbeiten größtenteils noch nicht ausschließlich in der Palliativversorgung, da die Finanzierung noch immer unsicher ist", sagt der Schmerzmediziner Dr. Thomas Sitte aus Fulda. Um in Hessen flächendeckend SAPV anbieten zu können, rechnet er mit einem Bedarf von zehn bis 15 weiteren Teams. Dazu brauche es qualifiziertes Personal, das es seiner Meinung nach derzeit nicht ausreichend gibt.

Diesen Eindruck hat auch Thomas Schindler. Ein Team mit acht Vollzeitkräften könne ein Einzugsgebiet von etwa 250 000 Einwohnern abdecken. Hochgerechnet schätzt er, dass bundesweit etwa 330 Teams im Einsatz sein müssen, um eine flächendeckende Versorgung sicherstellen zu können. Nach seinen Beobachtungen gibt es derzeit viele Stellenangebote und nur wenig Bewerber. "Wenn ein Vertrag auf ein Jahr befristet ist oder die Vertragsmodalitäten erst noch mit den Kassen ausgehandelt werden müssen, überlegen es sich viele, ob sie sich bewerben sollen."

Die Anforderungen an die Leistungserbringer sind hoch. Ärzte brauchen eine Zusatzweiterbildung Palliativmedizin, zudem müssen sie Erfahrungen in der ambulanten oder stationären Palliativversorgung mitbringen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) sind Abweichungen von diesen Vorgaben möglich, wenn dies aus Sicherstellungsgründen erforderlich ist. Entscheiden können dies die Vertragspartner vor Ort. Für Thomas Schindler ist eine wissenschaftliche Evaluation auch aus diesem Grunde unerlässlich.

Höhe und Art der Finanzierung unterschiedlich

"SAPV ist nicht gleich SAPV", sagt er. Es gebe zwar Mindeststandards, Höhe und Art der Finanzierung seien jedoch von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich. "Da gehen die Kassen strategisch vor", sagt er. Letztlich müssten sich die SAPV-Verträge an der Versorgungsqualität messen. Ein Vertrag werde erst in der Versorgungspraxis zeigen, ob er auch mit hoher Qualität umgesetzt werden kann. Schindler: "Das ist dann zum Beispiel abhängig davon, wie viel qualifiziertes Personal vor Ort ist, wie die Teams aufgestellt sind und ob sie rund um die Uhr erreichbar sind."

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