Berufspolitik

Patientensicherheit muss Chefsache sein

Ein Gutteil der Komplikationen und Todesfälle in Kliniken sind vermeidbar. Offener Umgang mit Fehlern und ihren Ursachen ist wirksame Prävention.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Qualitätsmanagement ist Chefsache: Mit optimierten Abläufen kann sich das Risiko von Unfaällen und Fehlern reduzieren.

Qualitätsmanagement ist Chefsache: Mit optimierten Abläufen kann sich das Risiko von Unfaällen und Fehlern reduzieren.

© Gina Sanders / fotolia.com

HANNOVER. Qualitätsmanagement ist Chefsache - England macht es vor. In Sachen Patientensicherheit sind die Kliniken auf der Insel deutschen Verhältnissen weit voraus.

Das sagte Professor Andreas Becker, Geschäftsführer des Clinotel Krankenhausverbunds in Köln, auf dem 8. Forum Patientensicherheit und Risikomanagement des Zentrums für Qualität und Management im Gesundheitswesen (ZQ) in Hannover. Becker gilt als Kenner des britischen Patientensicherheitssystems.

Fehlbehandlung: Rund 17.000 Patienten sterben in Deutschland jährlich

Ob falsch zugeordnete Medikamente, technische Defekte, Verwechslung von Patienten oder schlichtweg menschliches Versagen - rund 17.000 Patienten sterben in Deutschland jährlich an den Folgen einer Behandlung im Krankenhaus, hieß es. Mit optimierten Abläufen lasse sich das Risiko von Unfällen und Fehlern im Klinik- und Praxisalltag signifikant reduzieren - wie in England.

Hier sei die Patientensicherheit Chefsache. "Die Patientensicherheit in einem Krankenhaus muss für die Hausführung so wichtig werden wie die Quartalszahlen", so Becker. "In England hat man das auf dem Schirm." So müsse eine Klinikleitung bewusst entscheiden, dass zum Beispiel Infektionen von Venenkathetern bei Intensivpatienten "ab sofort definitiv nicht mehr als normale Komplikation gelten", sagte Becker.

Probleme offen ins Visier nehmen und nach Lösungen suchen

Werden die Probleme offen ins Visier genommen, "dann purzeln die Fehler-Zahlen fast von alleine in erstaunlich kurzer Zeit", so Becker.

Becker berichtete von seinen Erfahrungen der "Patient SafetyLeadership WalkRounds (PSLWA)" in England. Solche Rundgänge sind Klinikbegehungen, die etwa in einem britischen Hospital rund 1350 Situationen aufzeigten, in denen Patientensicherheitsaspekte berührt waren.

"Diese Aspekte werden dann nicht unter den Tisch gekehrt, sondern in einer internen Öffentlichkeit offen angesprochen, etwa unter allen Ärzten, und es wird dann nach Lösungen gesucht", so Becker zur "Ärzte Zeitung".

Patientensicherheit essenzieller Bestandteil der Leistungserbringung

Für zwei Drittel der über 1300 potenziellen Fehlerquellen wurden inzwischen im Sinne der Prävention Vorgehensweisen sicherer gestaltet, hieß es. Becker: "Patientensicherheit ist nicht nur Betriebsaccessoire, sondern essenzieller Bestandteil der Leistungserbringung."

Aber nicht nur eine neue Führungskultur muss her, sondern auch mehr Geld. Zwar bringe etwa der Einsatz der WHO-Checkliste im OP pro vermiedener Komplikation rund 6000 Euro Ersparnis, so Becker. "Aber die Politik muss sich fragen lassen, ob das ständige Schneller, Besser, Billiger, und die andauernde Mittelkürzung, nicht mitverantwortlich ist für die Zahl der Fehler."

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