Pflege

Pflegerat fordert neues Berufsgesetz

Die Pflegewirtschaft ist auf dem Weg, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Deutschlands zu werden. Gebremst wird die gute Konjunktur der Branche von einem spürbaren Mangel an Fachkräften, denn die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt zu.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:

BERLIN. Wissenschaftler rechnen damit, dass schon bis 2025 mindestens 125.000 Pflegekräfte fehlen werden. Betrachtet man das Gesundheitswesen insgesamt, in das die Pflege eingebettet ist, fehlen bis dahin annähernd eine Million Ärzte, Krankenschwestern, Sprechstundenhilfen und Laborkräfte, sagen die Unternehmensberatung Price Waterhouse Coopers und das Darmstädter Forschungsinstitut WifOR voraus.

Von 1999 bis 2009 hat sich die Zahl der in der Pflege beschäftigten Menschen um 42 Prozent auf rund 890  000 erhöht. Dies geht aus einer Kurzstudie von Professor Dominik Enste und aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Die Studie entstand am Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Köln im Auftrag des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste.

Die geburtenstarken Jahrgänge ab der Mitte des vorigen Jahrhunderts sorgen dafür, dass die Beschäftigtenzahlen in der Pflege dynamisch weiter steigen werden.

Bedarf an Pflegekräften könne sich bis 2050 verdreifachen

Sind derzeit rund 2,4 Millionen Menschen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes pflegebedürftig, werden es bis zum Jahr 2030 eine Million und bis zum Jahr 2050 rund zwei Millionen mehr sein, schätzen die Demografen.

Der Bedarf an Voll- und Teilzeitkräften in der Pflege könnte sich dann auf 2,1 Millionen fast verdreifachen, rechnet Enste.

Potenziale sehen die Wissenschaftler im Ausbau der Frauenerwerbstätigkeit - 35 Prozent der 15- bis 64-Jährigen Frauen in Deutschland seien nicht erwerbstätig - und in der Zuwanderung.

Zudem gibt es Effizienzreserven zu heben. Pflegekräfte seien im Arbeitsalltag zu belastet, um sich Forschungsergebnisse anzueignen, geschweige denn neue Ideen in die Praxis umzusetzen, sagt Professor Jürgen Osterbrink, Vorstand der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg.

Entwicklungen werden durch Ärzte ausgebremst

Nach wie vor bestehe das Problem, dass Ärzte auf ihrer Autorität beharrten und Entwicklungen bei der Delegation ärztlicher Tätigkeiten ausbremsten.

Aktuell werden etwas mehr als eine Million Pflegebedürftige zu Hause von ihren Angehörigen versorgt.

Der ungebrochene Trend zu Einpersonenhaushalten und die Anforderungen an die Flexibilität jüngerer Arbeitnehmer werde zu einer Professionalisierung der Pflege führen, sagen die Sozialwissenschaftler.

Pflegerat fordert Pflegestudium und neues Gesetz

Auf diese Entwicklungen müsse die Politik mit einer Neuregelung des Berufsgesetzes und flächendeckenden Regelstudiengängen reagieren, fordert der Vorsitzende des Deutschen Pflegerates Andreas Westerfellhaus. Nicht in allen Bundesländern lässt sich bislang Pflege studieren.

Zudem müssten die Qualifikationen entlang national und international anerkannter Leitlinien vereinheitlicht werden. Derzeit seien die Qualifikationen von Pflegenden in Deutschland völlig intransparent.

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