Bremer Palliativkongress

Plädoyer für Qualität in der Palliativversorgung

Palliativ Care als junge Disziplin muss sich der Qualitätsmessung stellen, sagt Professor Claudia Bausewein.

Veröffentlicht: 28.03.2017, 10:00 Uhr

BREMEN. Schwierige Frage: Kann man die Qualität palliativmedizinischer Leistungen messen? Die Antwort, die die Münchner Palliativmedizinerin Professor Claudia Bausewein auf dem 10. Bremer Palliativkongress gab, war klar: "Eine Schublade voller Dankesbriefe reicht nicht. Wir müssen die Qualität unserer Arbeit messen. Wir müssen operationalisieren. Wenn wir uns nicht stellen, stellen uns andere."

Palliativ Care ist eine relativ junge Fachrichtung und müsse deshalb noch eine Menge belegen, so die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am Klinikum der Universität München. Vor allem gehe es um die Ergebnisqualität. "Bei uns zählt vor allem das subjektive Befinden des Patienten, wie die Lebensqualität oder die Symptomschwere, und auch das Befinden der Angehörigen. Wir brauchen in der Qualitätsmessung Mut zur subjektiven Perspektive." War die Kommunikation ehrlich? Haben die belastenden Symptome abgenommen? Wurde der gewünschte Sterbeort erreicht? Und so weiter.

Indessen seien viele Messinstrumente in der Palliativversorgung noch nicht ausreichend getestet. "International werden 100 verschiedene Instrumente genutzt aber oft nicht mehr als zehn Mal. Deshalb können sie die gewonnenen Daten kaum vergleichen", sagte Bausewein. In ihrer Klinik nutzt die Palliativmedizinerin den Integrated Palliative Care Outcome Scale (IPOS).

Er besteht aus zehn Fragen, die auf einer Fünf-Punkte-Likert-Skala beantwortet werden sollen. Zum Beispiel: "Haben Sie so viele Informationen erhalten, wie Sie brauchten?" Die Frage kann per Ankreuzen zwischen "immer" und "gar nicht" beantwortet werden. Der Patient wird nach Hauptproblemen gefragt, dann nach seinen Symptomen, nach praktischen Fragen, nach der psychischen ("Waren Sie traurig, bedrückt?") und der spirituellen Situation. "Bei uns ist IPOS Teil des Basisassessments und der elektronischen Patientenakte." Um Verlaufsdaten zu erhalten, werden die Assessments stetig wiederholt, etwa vor einer Entlassung oder beim Eintritt in eine neue Krankheitsphase. Die Ergebnisse der Befragung werden dann nach dem Konzept der vier Krankheitsphasen (stabil, instabil, verschlechternd und terminal) eingeordnet.

Jeder Patient mache im Laufe seines Aufenthaltes zwei bis drei solcher Phasen durch, so Bausewein. In jeder Phase können die IPOS-Werte erhoben werden. "Die Auswertung zeigt dann, welche Patienten ich in welcher Phase auf meiner Station habe." "Wir sollten uns dem Thema Qualitätsmessung widmen", so Bausewein. "Nur so können wir zeigen, wie unsere Arbeit wirkt. (cben)

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