Direkt zum Inhaltsbereich

Urteil

Polkörperdiagnostik ist keine Krankenbehandlung

Ein Ehepaar klagte, weil die Kasse sich weigerte, eine Polkörperdiagnostik (PKD) zu bezahlen. Das Bundessozialgericht schafft Klarheit.

Veröffentlicht:

KASSEL. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen bei einer künstlichen Befruchtung nicht für die Diagnosekosten schwerer Erbkrankheiten aufkommen. Dies gilt auch für die sogenannte Polkörperdiagnostik (PKD), bei der befruchtete Eizellen im Vorkernstadium auf Gendefekte untersucht werden, urteilte das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel.

Konkret ging es um ein Ehepaar mit unerfülltem Kinderwunsch aus dem Raum Düsseldorf. Der Mann leidet an einer Fruchtbarkeitsstörung, sodass das Paar eine künstliche Befruchtung vornahm. Die Ehefrau ist jedoch von einem Gendefekt betroffen, der bei männlichen Nachkommen die unheilbare Muskeldystrophie vom Typ Duchenne verursacht.

Paar wollte Kosten von Kasse zurück

Damit kein Kind mit dem Gendefekt gezeugt wird, wollte das Paar im Rahmen der künstlichen Befruchtung eine PKD vornehmen lassen. Dabei wird die mit dem Spermium befruchtete Eizelle schon zu Beginn des etwa 18-stündigen Verschmelzungsprozesses und damit noch vor dem Entstehen des eigentlichen Embryos auf Erbkrankheiten hin untersucht.

Hier konnten so acht Eizellen mit dem Gendefekt identifiziert und aussortiert werden. Die neunte Eizelle war gesund.

Die Ehefrau brachte schließlich eine gesunde Tochter zur Welt. Die Kosten für die PKD in Höhe von 9730 Euro wollte das Ehepaar von ihrer Krankenkasse erstattet haben.

Doch diese lehnte ab. Es fehle an einer gesetzlichen Grundlage, um für die Kosten der PKD aufkommen zu können. Das BSG habe bereits im November 2014 entschieden, dass die Krankenkassen keine Präimplantationsdiagnostik bezahlen dürfen. Dies gelte auch für die PKD.

Die Klägerin argumentierte, dass bei ihrem Gendefekt die Krankenkassen für die Kosten einer Pränataldiagnostik aufkommen. Um Abtreibungen zu vermeiden sei es sinnvoller, bereits vor der Entstehung des Embryos die Eizellen mit dem Gendefekt auszusortieren.

Doch das BSG gab der Krankenkasse recht. Die PKD sei keine Krankenbehandlung, denn der Gendefekt der Mutter werde damit nicht behandelt. Die PKD ermögliche lediglich das Aussortieren betroffener Eizellen und solle so zukünftiges Leiden noch nicht existierenden Lebewesen vermeiden.

Dies falle jedoch nicht in den Leistungsbereich der Krankenkasse. Es fehle dazu an einer gesetzlichen Regelung. Diese könne nur der Gesetzgeber selbst schaffen. (mwo)

Az.: B 1 KR 15/14 R,

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Wann zählt die FSME-Impfung bei der Vorhaltepauschale mit?

Lesetipps
Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt